Immer wieder kommt es zu folgenschweren Zusammenstößen zwischen Radfahrern und plötzlich geöffneten Autotüren – sogenannten Dooring-Unfällen. Besonders in deutschen Großstädten wie Berlin oder Hamburg stellt dieses Unfallrisiko eine ernstzunehmende Gefahr dar. Trotz technischer Fortschritte und neuer Regelwerke sind die Zahlen nach wie vor alarmierend.
Ein besonders tragischer Fall ereignete sich im September 2025 in Hamburg-Altona: Ein Radfahrer kam ums Leben, nachdem ein Autofahrer beim Aussteigen die Tür unachtsam öffnete. Eine Mahnwache erinnerte kürzlich mit einem weißen „Ghostbike“ an den tödlichen Vorfall. Solche Installationen stehen symbolisch für das gefährliche Zusammenspiel zwischen Auto- und Radverkehr – und für das, was falsch läuft im urbanen Straßenraum.
Laut der Unfallforschung des Gesamtverbands der Versicherer (GDV) fehlen bundesweit detaillierte Erhebungen zu Dooring-Unfällen. Berlin jedoch führt eine eigene Statistik: Dort wurden 2024 insgesamt 392 solcher Unfälle erfasst – das entspricht knapp acht Prozent aller Fahrradunfälle mit Verletzten oder Toten in der Hauptstadt. Zwar zeigt der langfristige Trend seit 2015 einen leichten Rückgang, doch Expertinnen wie Kirstin Zeidler vom GDV mahnen: „Dooring-Unfälle sind ein unterschätztes Phänomen – und sie sind vermeidbar.“
Ein zentrales Element zur Prävention sind Sicherheitsstreifen: Seit 2010 empfehlen deutsche Regelwerke eine Pufferzone von bis zu 75 Zentimetern zwischen parkenden Autos und dem Radweg. In Berlin sind diese Zonen mittlerweile häufiger sichtbar, doch längst nicht überall. Bestehende Radwege müssten dringend angepasst werden, fordert Zeidler.
Technik könnte die Zahl der Unfälle weiter senken: Moderne Fahrzeuge können mit Sensoren ausgestattet werden, die herannahende Radfahrer erkennen und Insassen vor dem Öffnen der Tür warnen – akustisch, visuell oder sogar durch kurzzeitige Türblockierung. Derartige Dooring-Warnsysteme könnten künftig Pflicht werden: Das Bundesverkehrsministerium plant, sie in Neuwagen gesetzlich vorzuschreiben.
Solche Maßnahmen wären ein wichtiger Schritt, um den Straßenverkehr sicherer zu gestalten – nicht nur für Radfahrer, sondern für alle Verkehrsteilnehmer. Denn jede offene Autotür kann im schlimmsten Fall tödlich enden.