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Crans-Montana nach der Tragödie: Gemeinde unter Druck – Opferfamilien erheben schwere Vorwürfe

geralt (CC0), Pixabay

 Fünf Tage nach dem verheerenden Brand in der Bar Le Constellation, bei dem 40 Menschen ums Leben kamen und 116 verletzt wurden, wächst der Druck auf die Gemeindeverwaltung. Am Dienstag trat der Gemeinderat von Crans-Montana vor die Medien, um über neue Erkenntnisse zu informieren – begleitet von heftiger Kritik und juristischen Anläufen, die Veranstaltung zu stoppen.

Medienkonferenz unter scharfer Beobachtung

Bereits im Vorfeld der Pressekonferenz hatte eine betroffene Opferfamilie versucht, die öffentliche Stellungnahme der Gemeinde gerichtlich zu verhindern. Der beauftragte Anwalt argumentierte, dass sich die Gemeinde nicht außerhalb eines möglichen Strafverfahrens öffentlich verteidigen dürfe – ein Antrag, der jedoch erfolglos blieb.

Trotz des hohen medialen Interesses verlief die Pressekonferenz nicht ohne Zwischenfälle: Am Ende musste der Gemeindepräsident unter Polizeischutz das Gebäude verlassen. Zuvor hatte er sich gemeinsam mit weiteren Ratsmitgliedern den Fragen zahlreicher Journalisten gestellt.

Keine Kontrolle zwischen 2020 und 2025

Im Zentrum der Kritik steht eine fünfjährige Lücke bei den Sicherheitskontrollen. Laut Aussagen der Gemeinde wurde der Betrieb Le Constellation seit 2019 nicht mehr inspiziert – ein Versäumnis, das sich die Verantwortlichen selbst nicht erklären können. Die Staatsanwaltschaft soll nun klären, wie es dazu kommen konnte.

Zudem sei der Betreiber ohne Genehmigung bauliche Veränderungen im Inneren der Bar vorgenommen haben – nach Einschätzung der Gemeinde „extrem fahrlässig“.

Gemeinde sieht sich selbst als Betroffene

In einer emotionalen Erklärung betonte der Gemeindepräsident, man sei nicht nur verantwortlich, sondern auch selbst betroffen: Die Gemeinde verstehe sich als „Geschädigte“ und wolle daher als Nebenklägerin am Verfahren teilnehmen. Einen Rücktritt schloss er kategorisch aus: „Man verlässt das Schiff nicht, wenn es stürmt.“

Erste politische Konsequenzen

Als Sofortmaßnahme hat die Gemeinde jegliche pyrotechnischen Gegenstände in geschlossenen Räumen auf ihrem Gebiet verboten. Fragen nach der Ausstattung der Bar mit Feuerlöschern oder Notausgängen konnte der Gemeinderat nur teilweise beantworten: Es habe für die Größe des Lokals einen Feuerlöscher gegeben, ein Brandmelder sei nicht gesetzlich vorgeschrieben gewesen. Die genaue Funktionstüchtigkeit der Notausgänge werde nun durch die Ermittlungsbehörden geprüft.

Experten kritisieren strukturelle Mängel

Parallel meldeten sich Brandschutzexperten und Lokalpolitiker zu Wort. Ein Fachmann beklagte gegenüber dem Schweizer Fernsehen SRF die unzureichende Ausbildung vieler für den Brandschutz verantwortlicher Personen in Walliser Gemeinden. Auch die Zermatter Gemeindepräsidentin sprach offen von Ressourcenmangel bei der Umsetzung von Sicherheitsvorgaben. Sie forderte eine bessere regionale Zusammenarbeit und den Einsatz professionell ausgebildeter Brandschutzexperten.

Gesellschaftliche Aufarbeitung beginnt

Die öffentliche Debatte um Verantwortung, Kontrolle und Sicherheitskultur hat in der Schweiz spürbar Fahrt aufgenommen. Die Gemeinde Crans-Montana steht im Zentrum dieser Diskussion – zwischen politischem Krisenmanagement, juristischer Aufarbeitung und der anhaltenden Trauer um die Opfer einer vermeidbaren Katastrophe.

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