Kaum ein Auto steht so sinnbildlich für eine vergangene Welt wie der Trabant. Was einst als lauter, qualmender Kleinwagen verspottet wurde, ist heute ein begehrter Oldtimer mit treuer Fangemeinde. Seine Geschichte beginnt nicht erst mit dem berühmten Trabi 601, sondern schon Mitte der 1950er-Jahre mit dem AWZ P 70 – dem technischen Wegbereiter des späteren DDR-Volksautos.
Der P 70, 1955 vorgestellt, war in mancher Hinsicht seiner Zeit voraus. Während im Westen noch überwiegend Stahlkarosserien dominierten, setzte man in Zwickau auf Duroplast – einen Kunststoff auf Baumwollbasis, geboren aus dem Rohstoffmangel der Nachkriegsjahre. Auch der Frontantrieb galt damals als modern. Der kleine Zweitakter war einfach, robust und genügsam – Eigenschaften, die auch den späteren Trabant prägen sollten.
Mit dem Trabant P 50 und vor allem dem ab 1964 gebauten Trabant 601 begann der eigentliche Siegeszug. Über 36 Jahre blieb das Grundkonzept nahezu unverändert, technische Quantensprünge wurden aus politischen und wirtschaftlichen Gründen immer wieder verhindert. Die Folge: endlose Wartezeiten von bis zu 15 Jahren, eine notorisch veraltete Technik – und trotzdem ein Auto, das für Millionen Menschen Mobilität bedeutete.
Der Spott ließ nicht auf sich warten. „Rennpappe“, „Stinker“, „Sachsenporsche“ oder „Arbeiter-und-Bauern-Volvo“ – kaum ein Fahrzeug sammelte so viele Spitznamen. Doch gerade diese Mischung aus Mangel, Improvisation und Alltagsnähe machte den Trabant zu mehr als nur einem Auto. Er wurde zum emotionalen Begleiter, zum politischen Symbol und schließlich zum rollenden Zeitzeugen.
Nach dem Mauerfall verschwand der Trabi zunächst fast vollständig aus dem Straßenbild. Westliche Neuwagen verdrängten ihn, Produktionsreste wurden sogar ins Ausland exportiert. Doch ab Mitte der 1990er-Jahre setzte eine Ostalgiewelle ein. Der Trabant kehrte zurück – diesmal nicht aus Notwendigkeit, sondern aus Liebe zur Geschichte. Heute sind noch rund 40.000 Exemplare in Deutschland zugelassen, Treffen und Ausfahrten locken Fans aus ganz Europa an.
Vom belächelten Zweitakter zum teuren Kultobjekt: Die Geschichte von P 70 und Trabant zeigt, dass automobile Bedeutung nicht allein aus Technik entsteht. Manchmal sind es Erinnerungen, Emotionen und ein unverwechselbarer Klang – dieses berühmte „Reng-teng-teng“ –, die ein Auto unsterblich machen.