Das Jahresende ist für Hilfsorganisationen traditionell ein Moment der Abrechnung – und für das Deutsche Rote Kreuz fällt diese Bilanz 2025 ernüchternd aus. Die Organisation verzeichnet einen deutlichen Rückgang bei den Spendeneinnahmen, mit spürbaren Konsequenzen für ihre Arbeit im In- und Ausland.
Nach aktuellen Zahlen lagen die Spenden im laufenden Jahr rund zehn Millionen Euro unter dem Vorjahresniveau. Statt etwa 49 Millionen Euro wie 2024 werden es 2025 voraussichtlich nicht einmal 40 Millionen Euro sein. Das entspricht einem Minus von rund 18 Prozent. DRK-Präsident Hermann Gröhe spricht von einem „harten Rückgang“, der nicht abstrakt bleibe, sondern „unmittelbare Folgen für notleidende Menschen“ habe.
Mit dieser Entwicklung steht das Rote Kreuz nicht allein da. Auch insgesamt zeigt sich ein deutlicher Trend: In den ersten neun Monaten des Jahres ist die gesamte Spendensumme in Deutschland spürbar gesunken. Zwar geben diejenigen, die noch spenden, inzwischen mehr Geld pro Einzelspende aus als je zuvor, doch die Zahl der Spenderinnen und Spender nimmt ab. Die durchschnittliche Spende liegt inzwischen bei rund 41 Euro – ein Rekordwert. Trotzdem reicht das nicht aus, um den Rückgang bei der Gesamtzahl der Spenden auszugleichen.
Als Gründe gelten vor allem die angespannte finanzielle Lage vieler Haushalte. Inflation, steigende Lebenshaltungskosten und wachsende Pflegeausgaben schränken den Spielraum für freiwillige Ausgaben ein. Hinzu kommt eine gewisse Erschöpfung angesichts der Vielzahl globaler Krisen, die seit Jahren Schlagzeilen bestimmen und bei vielen Menschen zu einer Art emotionaler Überforderung führen.
Ganz abgeschlossen ist das Spendenjahr allerdings noch nicht. Ein erheblicher Teil der Einnahmen geht traditionell erst in den letzten Wochen des Jahres ein – insbesondere rund um Weihnachten. Erst dann wird sich endgültig zeigen, wie tief der Einbruch tatsächlich ausfällt. Für das Deutsche Rote Kreuz steht jedoch schon jetzt fest: Die sinkende Spendenbereitschaft trifft genau jene, die auf Unterstützung am dringendsten angewiesen sind.