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100 Stunden umsonst im Jahr? Verdi fordert bezahlte Wartezeiten für Busfahrer

Vien_beos (CC0), Pixabay

Die Gewerkschaft ver.di fordert bessere Arbeitsbedingungen für Busfahrerinnen und Busfahrer im öffentlichen Nahverkehr. Konkret geht es um bezahlte Warte- und Pausenzeiten, die bislang häufig unvergütet bleiben. Anlass ist eine Studie der Gewerkschaft, nach der Busfahrer im Durchschnitt rund 100 Arbeitsstunden pro Jahr leisten, ohne dafür bezahlt zu werden.

Unbezahlte Pausen an Endhaltestellen

Diese Zeit entsteht vor allem durch lange Wartepausen an Endhaltestellen. Zwar gelten diese formal als Ruhezeiten, tatsächlich stehen die Fahrer jedoch weiterhin im Dienst: Sie müssen vor Ort bleiben, sind an Fahrpläne gebunden und können die Zeit oft nicht sinnvoll zur Erholung nutzen. Häufig fehlen zudem geeignete Pausenräume.

Ein Beispiel ist die Busfahrerin Judith Kindler aus Leipzig. Die Quereinsteigerin liebt ihren Beruf, beschreibt ihn aber als körperlich und organisatorisch belastend. Pausen verbringt sie nicht selten auf Parkbänken an lauten Kreuzungen. „Hier gibt es keinen Pausenort“, sagt sie – Erholung sehe anders aus.

Nachwuchsmangel verschärft die Lage

Die Forderung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Verkehrsunternehmen suchen händeringend Personal: Bis zum Jahr 2030 geht etwa ein Drittel der Fahrerinnen und Fahrer im Nahverkehr in Rente. Um neue Beschäftigte zu gewinnen und bestehende zu halten, seien verlässliche und faire Arbeitsbedingungen entscheidend, argumentiert Verdi.

Besonders Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, die einen großen Teil des Personals ausmachen, stoßen schnell an Grenzen. Unregelmäßige Arbeitszeiten, wechselnde Einsatzorte und Probleme beim Heimweg – gerade zu Randzeiten – erschweren den Berufsalltag zusätzlich.

Arbeitgeber verweisen auf knappe Kassen

Die Verkehrsunternehmen zeigen zwar Verständnis für die Belastungen, verweisen jedoch auf finanzielle Zwänge. Der Verkehrsunternehmer-Verband erklärt, für weitergehende Zugeständnisse fehle es derzeit an Geld. Höhere Personalkosten müssten letztlich durch öffentliche Auftraggeber oder Fahrpreise ausgeglichen werden.

Verdi sieht Handlungsbedarf

Für Verdi ist klar: Unbezahlte Wartezeiten seien faktisch Arbeitszeit und müssten auch so behandelt werden. Andernfalls drohe der Branche eine weitere Abwanderung von Fachkräften – mit spürbaren Folgen für den öffentlichen Nahverkehr.

Die Debatte um bezahlte Wartepausen dürfte damit zu einem zentralen Konfliktthema zwischen Gewerkschaften, Verkehrsunternehmen und Politik werden. Denn ohne attraktivere Arbeitsbedingungen wird der dringend benötigte Nachwuchs kaum zu gewinnen sein.

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