Der traditionsreiche Bourbon-Hersteller Jim Beam setzt die Produktion an seinem wichtigsten Standort im US-Bundesstaat Kentucky für das gesamte kommende Jahr aus. Das teilte das Unternehmen in einer Stellungnahme mit. Die Stilllegung soll genutzt werden, um umfassende Investitionen und Modernisierungen an der Anlage vorzunehmen.
Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um eine strategische Entscheidung. Man überprüfe regelmäßig die Produktionsmengen, um sie an die Nachfrage anzupassen, und habe diesbezüglich bereits Gespräche mit den Beschäftigten geführt. Der Produktionsstopp betrifft ausschließlich die Hauptdestillerie. Andere Standorte in Kentucky – darunter eine weitere Brennerei sowie Abfüll- und Lageranlagen – bleiben weiterhin in Betrieb. Auch das Besucherzentrum soll geöffnet bleiben.
Unsicherheit in Kentuckys Bourbon-Branche
Der Schritt fällt in eine Phase zunehmender Unsicherheit für die Bourbon-Industrie in Kentucky, die als Zentrum der amerikanischen Whiskeyproduktion gilt. Laut dem Branchenverband Kentucky Distillers’ Association lagerten zuletzt mehr als 16 Millionen Bourbon-Fässer in den Warenhäusern des Bundesstaates – ein Rekordwert. Die Lagerbestände verursachen hohe Steuerkosten, die sich in diesem Jahr auf rund 75 Millionen US-Dollar summiert haben sollen.
Handelspolitik als zusätzlicher Belastungsfaktor
Zusätzlich geraten US-Destillateure durch internationale Handelskonflikte unter Druck. Nach neuen Zollmaßnahmen der US-Regierung unter Donald Trump verhängten mehrere Länder Gegenzölle auf amerikanische Produkte, darunter auch Spirituosen. Besonders spürbar waren die Auswirkungen im Handel mit Kanada, wo zahlreiche Provinzen zeitweise amerikanische Spirituosen boykottierten.
Der Branchenverband warnt, dass viele Investitionen der vergangenen Jahre auf starkes internationales Wachstum ausgerichtet gewesen seien. Die aktuellen Handelsbarrieren deuten jedoch auf eine Phase der Konsolidierung hin.
Auswirkungen auf Beschäftigte noch offen
Die Marke Jim Beam gehört zum japanischen Spirituosenkonzern Suntory Global Spirits, der mehr als 1.000 Mitarbeitende an seinen Standorten in Kentucky beschäftigt. Wie genau die Belegschaft während des Produktionsstopps eingesetzt wird, ist noch offen. Das Unternehmen teilte mit, hierzu Gespräche mit der Gewerkschaft zu führen.
Der einjährige Produktionsstopp bei Jim Beam ist damit nicht nur ein unternehmensinterner Schritt, sondern ein weiteres Signal für die wachsenden strukturellen Herausforderungen in der US-amerikanischen Bourbon-Industrie.