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Rätsel im Abwasser: Serien-Schlüpfer legt Dorf-Klärwerk lahm

Conmongt (CC0), Pixabay

Im beschaulichen Schillerslage, einem Ortsteil von Burgdorf mit kaum mehr als 1000 Einwohnern, sorgt seit Monaten ein kurioser Dauergast im Abwassersystem für Alarmstimmung – und für nächtliche Noteinsätze. Es sind keine Feuchttücher, keine Windeln und kein Bauschutt. Es sind Männerunterhosen.

Immer wieder finden die Pumpen des örtlichen Schmutzwasserwerks Schlüpfer, die dort ganz sicher nicht hingehören. Mal neonfarben, mal orange, mal unauffällig – aber stets in derselben Größe und von derselben Marke. Größe XL. Und immer wieder dieselbe Handschrift.

Abwassermeister Olaf Klippstein kennt das Problem nur zu gut. Seit rund anderthalb Jahren klingelt bei ihm regelmäßig das Telefon, meist nachts oder am Wochenende. Die Anlage meldet Störung, das Pumpwerk steht. Dann heißt es rausfahren, Schutzkleidung anziehen und in die Tiefe steigen – dorthin, wo sich das ungeklärte Abwasser sammelt, bevor es mit enormem Druck weiter ins Klärwerk bei Hannover gepresst wird.

Die Pumpen leisten Schwerstarbeit: Bis zu 56 Kubikmeter Abwasser pro Stunde werden hier bewegt. Doch sobald sich eine Unterhose im Inneren verfängt, ist Schluss. Die betroffene Pumpe schaltet ab, die nächste übernimmt. Fallen jedoch mehrere gleichzeitig aus, droht der Super-GAU: Das Abwasser staut sich zurück, ein Überlaufen wäre eine massive Umweltbelastung.

Besonders auffällig: Die Einsätze häufen sich nach Festen. Nach dem Weihnachtsmarkt zum Beispiel. Dann tauchen wieder die vertrauten Stoffreste auf. Klippstein und seine Kollegen haben inzwischen mehr als 15 Unterhosen aus dem System gefischt – was auch mindestens 15 außerplanmäßige Einsätze bedeutet. Immer außerhalb der regulären Arbeitszeit. Immer eine Sauerei.

Für den Abwassermeister ist klar: Das passiert nicht aus Versehen. Eine Unterhose rutscht nicht einfach so durch die Toilette. Dafür braucht es Entschlossenheit – und vermutlich mehrere Spülgänge. Der unbekannte Täter scheint zudem markentreu zu sein: Alle gefundenen Exemplare stammen von derselben Modemarke, alle sind Größe XL. Und billig ist das Hobby auch nicht. Rechnet man grob, sind bereits rund 150 Euro wortwörtlich im Klo verschwunden.

Wer der mysteriöse Schlüpfer-Spüler ist, weiß bisher niemand. Sicher ist nur: In einem idyllischen Dorf in Niedersachsen treibt jemand sein ganz persönliches Abwasser-Unwesen – und legt damit regelmäßig ein ganzes Pumpwerk lahm.

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