Knapp ein Jahr nach einer Serie ungewöhnlicher Sachbeschädigungen an insgesamt 276 Autos in vier Bundesländern verdichten sich die Hinweise, dass die Taten politisch motiviert gewesen sein könnten. Nach Angaben der Ermittler sprechen mehrere Umstände dafür, dass die Aktionen gezielt kurz vor der Bundestagswahl im Februar 2025 stattfanden, um die öffentliche Wahrnehmung zu beeinflussen.
Innerhalb weniger Tage waren Fahrzeuge in Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg und Berlin beschädigt worden. Die Täter hatten Abgasrohre oder Karosserien mit Bauschaum besprüht und Sticker angebracht, die ein Bild des damaligen Wirtschaftsministers zeigten – versehen mit der Aufforderung, „grüner“ zu werden. Der gewählte Zeitpunkt kurz vor der Wahl und die einheitliche Gestaltung der Aufkleber lassen Ermittler auf eine koordinierte Einflussoperation schließen.
Ein zentraler Verdacht ergab sich aus der Aussage eines 18-jährigen Beschuldigten, der angab, ein mutmaßlicher Auftraggeber aus Russland habe ihm und anderen Tätern pro beschädigtem Auto eine Prämie versprochen. Unabhängig bestätigt wurden diese Angaben bislang nicht, dennoch wird ein mögliches gezieltes Vorgehen aus dem Ausland geprüft. Der Verfassungsschutz verweist auf bekannte Muster, bei denen sogenannte „Low-Level-Agenten“ angeworben werden: Personen, die im Auftrag fremder Nachrichtendienste handfeste Kleinsttaten begehen sollen, um politische Stimmung zu beeinflussen oder gesellschaftliche Konflikte zu schüren.
Der Fall kam ins Rollen, nachdem kurz vor Beginn der Anzeigenwelle in Brandenburg ein Transporter mit drei jungen Männern kontrolliert worden war, die mehrere Kartuschen Montageschaum bei sich hatten. Auf ihren Handys fanden Ermittler später dutzende Fotos der beschädigten Fahrzeuge. Weitere Durchsuchungen führten zu weiteren Beschuldigten, darunter eine junge Frau, über deren Gerät zahlreiche Tatfotos weitergeleitet worden sein sollen.
Alle Beteiligten sind bislang auf freiem Fuß. Die Auswertung der finanziellen Spuren läuft weiter, um mögliche Geldflüsse oder Verbindungen ins Ausland zu klären. Die Ermittler betonen, dass der Verdacht auf politische Einflussnahme zwar naheliegt, aber bislang nicht endgültig bewiesen ist.
Die Sicherheitsbehörden verweisen jedoch auf ein wachsendes Risiko hybrider Operationen. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine beobachtet der Verfassungsschutz verstärkte Versuche, in Deutschland Stimmung zu manipulieren, politische Akteure zu diskreditieren oder Vertrauen in demokratische Prozesse zu untergraben.
Der Fall der Bauschaum-Attacken gilt daher nicht mehr als bloße Sachbeschädigung, sondern als mögliches Element einer größeren Strategie, auf die politische Willensbildung im Inland einzuwirken. Ermittlungen und Auswertungen sollen klären, ob sich der Verdacht auf einen ausländischen Hintergrund erhärten lässt.