Im Prozess um das tödliche Attentat auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt haben am elften Verhandlungstag Opfer erschütternde Einblicke in ihre traumatischen Erlebnisse gegeben. Hinter Sichtschutzwänden sagten Betroffene aus, die bis heute körperlich und psychisch mit den Folgen der Tat leben.
Am 20. Dezember 2024 war ein 51‑jähriger Mann mit einem leistungsstarken Mietwagen in eine Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt gefahren. Sechs Menschen starben, mehr als 300 wurden verletzt. Zu den Nebenklägern gehört die Mutter eines neunjährigen Jungen, der bei dem Angriff ums Leben kam. Trotz ihres Entschlusses, dem Täter niemals zu begegnen, trat sie vor Gericht, um für ihr Kind auszusagen.
Auch andere Geschädigte schilderten dramatische Erlebnisse. Ein Nebenkläger berichtete, er sei von Fahrzeugteilen am Kopf getroffen und zeitweise bewusstlos gewesen. Er sprach von Bildern, „die nicht mehr weggehen“: einzelne Schuhe auf dem Platz, Reanimationsversuche, Chaos inmitten der Lichter und Musik des Marktes.
Ein Schulleiter, der mit seiner Familie vor Ort war, beschrieb den Moment des Anschlags als „Menschenpflug“. Er habe seinen Sohn aus dem Weg gerissen und sich anschließend verletzt. „Glück ist relativ“, sagte er. Die Erinnerungen seien unauslöschlich, die Wut auf den Täter groß.
Andere Zeugen schilderten körperliche Langzeitfolgen. Eine 60‑jährige Frau, die zufällig den Weihnachtsmarkt besuchte, erlitt schwere Verletzungen. Sie wurde über Stunden am Tatort behandelt, musste notoperiert werden und verlor ihre Milz. Bis heute leide sie an Schlafstörungen und Angst vor Geräuschen. Auch ein weiteres Opfer berichtet von zunehmender Erschöpfbarkeit nach langen Krankenhausaufenthalten.
Ein Nebenkläger schilderte zudem finanzielle Schwierigkeiten. Als Selbstständiger erhalte er kein Krankentagegeld, Unterstützung sei ausgeblieben. Die politischen Zusagen nach dem Anschlag empfinde er als enttäuschend.
Der Vorsitzende Richter kündigte an, das Verfahren zu straffen. Arztberichte sollen künftig in einer gesonderten Leseliste zusammengeführt werden. Zudem sollen Richter aus Köln gehört werden, die den Angeklagten bereits in einem Zivilverfahren erlebt hatten.
Die Hauptverhandlung wurde am frühen Nachmittag unterbrochen. Sie wird am 15. Dezember fortgesetzt – mit weiteren Aussagen, die erneut deutlich machen dürften, wie tief das Attentat das Leben vieler Menschen verändert hat.