Ein unscheinbarer, aber hochgefährlicher Eindringling sorgt unter Forschenden in Österreich für wachsende Besorgnis: Der tropische Plattwurm Obama nungara, ursprünglich in Südamerika beheimatet, wurde erstmals im Land entdeckt – und das offenbar nicht zufällig. Die Art breitet sich in Europa rasant aus und könnte heimische Ökosysteme massiv beeinträchtigen.
Gefunden wurden die Tiere zwischen 2022 und 2024 in einer Gärtnerei bei Tulln in Niederösterreich. Genetische Analysen belegen eindeutig, dass es sich um Obama nungara handelt – ein Räuber, der sich bevorzugt von Regenwürmern ernährt, also von jenen Tieren, die im Boden für Durchlüftung, Nährstoffkreislauf und Humusbildung unverzichtbar sind. Expertinnen und Experten warnen: Sollten sich diese Plattwürmer fest etablieren, könnte die Bodenqualität langfristig Schaden nehmen.
Ein Blick ins Ausland zeigt, wie dramatisch die Lage werden kann. In Frankreich wurden in nur einem Monat mehr als 1.500 Exemplare aus einem einzigen Garten gesammelt – ein Hinweis darauf, welche Populationsgrößen möglich sind, wenn die Tiere sich erst einmal an ihren neuen Lebensraum angepasst haben. In vielen Regionen Europas geschieht ihre Ausbreitung vermutlich über den Handel mit Zierpflanzen – versteckt im feuchten Substrat, wo Plattwürmer ideale Bedingungen finden.
Noch ist unklar, ob Obama nungara das kontinentale Klima Österreichs dauerhaft tolerieren kann. Der Alpenraum liegt am Rand des für die Art günstigen Klimagebiets – doch mit einer wärmeren Zukunft steigen auch die Chancen für ihren Erfolg. Forschende fordern daher ein engmaschiges Monitoring und rasche Gegenmaßnahmen, bevor die ungebetenen Gäste zur unkontrollierbaren Bedrohung werden.
Für Hobbygärtnerinnen und -gärtner – wie auch für die Wissenschaft – gilt: Wer auf seinem Grundstück ungewöhnliche, oft längliche und farblich auffällige Plattwürmer entdeckt, sollte sie fotografieren und melden. Denn je früher dieser stille Räuber erkannt wird, desto besser stehen die Chancen, Österreichs lebenswichtige Bodenarchitektur zu schützen.