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Taliban übernehmen afghanisches Generalkonsulat in Bonn – frühere Mitarbeiter warnen vor Datenmissbrauch
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Taliban übernehmen afghanisches Generalkonsulat in Bonn – frühere Mitarbeiter warnen vor Datenmissbrauch

Didgeman (CC0), Pixabay

Zum ersten Mal seit ihrer Machtübernahme in Kabul haben die Taliban offiziell die Kontrolle über eine diplomatische Vertretung in Deutschland übernommen. Das afghanische Generalkonsulat in Bonn-Ückesdorf hat nach Angaben des Außenministeriums in Kabul wieder seine Arbeit aufgenommen – unter der Leitung eines von den Taliban entsandten Vertreters.

In einer auf der Plattform X (vormals Twitter) veröffentlichten Mitteilung heißt es: „Das afghanische Generalkonsulat der Stadt Bonn, Deutschland, nimmt seine Tätigkeit wieder auf.“ Damit verfügen die Islamisten nun über eine offizielle Präsenz in Deutschland, obwohl die Bundesregierung das Taliban-Regime nicht diplomatisch anerkennt.

Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte, dass der Bundesregierung die Einreise von zwei Taliban-Diplomaten gestattet wurde – einer zur Übernahme der Botschaft in Berlin, ein weiterer für das Konsulat in Bonn. Hintergrund seien laufende Gespräche mit Kabul über Abschiebungen afghanischer Straftäter und die Bearbeitung konsularischer Anliegen.

Die Entscheidung löste innerhalb der afghanischen Exilgemeinschaft Entsetzen aus. Der bisherige Generalkonsul Hamid Nangialay Kabiri und seine gesamte Belegschaft legten bereits im September ihre Arbeit nieder. Kabiri bezeichnete den Schritt als „inakzeptabel“ und warnte in einer Videobotschaft vor einer „ernsthaften Bedrohung“ sensibler personenbezogener Daten afghanischer Bürger.

Besonders brisant: Das Bonner Generalkonsulat fungierte bislang als IT-Zentrum für mehrere afghanische Auslandsvertretungen – darunter in Europa, Kanada und Australien. Nach Recherchen der ARD befürchten nun zahlreiche Afghaninnen und Afghanen, dass gespeicherte Pass- und Asyldaten in die Hände der Taliban gelangen könnten.

Kabiri selbst hat im Oktober in Deutschland Asyl beantragt. Er gilt als entschiedener Gegner der Taliban und könnte daher besonderen Schutz erhalten.

Offiziell betont die Bundesregierung, dass die Zulassung der Taliban-Diplomaten keine Anerkennung der Regierung in Kabul bedeute, sondern „praktischen Erwägungen“ diene – insbesondere beim Schutz von Afghanen mit deutschen Aufenthaltstiteln und bei der Verwaltung offener Visa- und Passangelegenheiten.

Dennoch sehen Beobachter den Schritt als politisch heikles Signal: Deutschland gehört damit zu den ersten westlichen Staaten, die Taliban-Vertretern wieder Zugang zu diplomatischen Einrichtungen gewähren – ein Vorgang, der in der Exildiaspora und unter Menschenrechtsorganisationen auf scharfe Kritik stößt.

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