Am Montag beginnt der Strafprozess gegen den Mann, der am 20. Dezember 2024 mit einem Pkw über den Weihnachtsmarkt in Magdeburg raste und dort das Leben zahlreicher Menschen zerstörte. Innerhalb von nur einer Minute und vier Sekunden wurden Hunderte verletzt – sechs Menschen kamen ums Leben, darunter ein neunjähriger Junge.
Mehr als 300 Frauen, Männer, Kinder und Jugendlichen tragen die physischen oder seelischen Narben dieser Tat. Ebenso viele Helfer stehen vor den Folgen eines Ereignisses, das so plötzlich kam – und doch langfristige Auswirkungen hat.
Für rund 150 Betroffene wurde vorab der Status der Nebenkläger im Verfahren genehmigt – sie haben das Recht, dem Angeklagten Fragen zu stellen und am Ende einen Strafantrag zu formulieren. Viele von ihnen sagen: Sie wollen dem Mann, der den Wagen lenkte, ins Gesicht sehen und klar machen: „Das hast du uns angetan.“
Das Land Sachsen-Anhalt ließ eigens ein Interims-Gerichtsgebäude in Leichtbauweise errichten, um den Platz- und Sicherheitsanforderungen gerecht zu werden: Ein Saal mit rund 450 Plätzen für Nebenkläger sowie eine Glasbox für den Angeklagten wurden eingerichtet.
Die Erwartungen der Opfer sind hoch – auf Antworten, auf Recht – aber auch wissenschaftlich begegnet man dem Prozess mit Zurückhaltung: Ein Gerichtsverfahren könne einen traumatischen Hintergrund nicht von selbst heilen, warnt ein erfahrener Traumapsychologe.
Parallel zum Verfahren wächst der Druck auf Politik und Verwaltung: Wie konnte ein Fahrzeug über einen freigegebenen Rettungsweg auf den Markt gelangen? Welche Verantwortung trägt die Sicherheit vor Ort?
Der Prozess steht damit nicht nur für Gerechtigkeit für die Opfer, sondern auch für Aufarbeitung, Erinnerung und das Zusammenspiel von Recht, Trauma und gesellschaftlicher Verantwortung.