Die griechische Post ELTA steckt tief in der Krise – und zieht nun drastische Konsequenzen. Jede fünfte Filiale des staatlichen Unternehmens soll schließen. Von den rund 1.000 Standorten im Land werden zunächst 46 Filialen, vor allem in Athen und Thessaloniki, dichtgemacht. Die Ankündigung löste landesweit Empörung aus – und das nicht nur wegen der Entscheidung selbst, sondern vor allem wegen der Art und Weise, wie sie bekanntgegeben wurde.
📺 Schließungen per TV verkündet – Ministerium per Fax informiert
In einem Land, das ohnehin von Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen geprägt ist, sorgte das Vorgehen von ELTA-Chef Grigoris Sklikas für Kopfschütteln. Statt über eine offizielle Pressekonferenz oder interne Mitteilungen wurde die Nachricht in einer Fernsehsendung verkündet – nur einen Tag, nachdem das zuständige Ministerium per Fax (!) informiert worden war.
Das Ergebnis: Zahlreiche Kundinnen und Kunden standen am nächsten Morgen vor verschlossenen Postfilialen, ohne Vorwarnung, ohne Ersatzangebote.
„So geht man nicht mit der Bevölkerung um“, kritisierte Giannis Oikonomou, Vorsitzender des Athener Postbotenverbands. Viele Mitarbeiter mit befristeten Verträgen seien über Nacht ohne Arbeit dagestanden, andere hätten erst am Vorabend von ihrer Versetzung erfahren.
📉 Staatsbetrieb am Limit – Schrumpfkur oder Ausverkauf?
Die Schließungen markieren den Beginn einer massiven Umstrukturierung des traditionsreichen, aber hoch verschuldeten Staatsunternehmens. Offiziell versichert das Management, es werde keine Kündigungen geben. Kritiker glauben jedoch, dass ELTA gezielt „fit für den Verkauf“ gemacht wird.
„Das Unternehmen soll offenbar so weit verschlankt werden, dass es für private Investoren attraktiv wird“, vermutet ein Gewerkschafter.
Tatsächlich haben in Griechenland längst private Kurierdienste wie ACS und Geniki Taxydromiki das lukrative Geschäft mit Onlinebestellungen übernommen – während ELTA vielerorts als veraltet, unterbesetzt und ineffizient gilt.
🏝️ Landbevölkerung besonders betroffen
Besonders hart trifft die Schließungswelle die ländlichen Regionen und Inseln, wo ELTA-Filialen oft die einzige Postanlaufstelle sind – und für viele ältere Menschen die letzte Verbindung zum Staat.
Dort übernehmen Postangestellte häufig Aufgaben weit über den klassischen Briefverkehr hinaus: Sie helfen beim Beantragen von Dokumenten, beim Bezahlen von Rechnungen oder sogar beim Empfang staatlicher Renten.
„In vielen Dörfern bedeutet das Aus einer Filiale den Verlust eines Stücks Infrastruktur und Sicherheit“, warnen Bürgermeister aus der Region Thessalien.
💬 Veraltete Strukturen, fehlende Digitalisierung
Während private Anbieter auf moderne Logistik und digitale Services setzen, steckt ELTA in den 1990er-Jahren fest. Alte EDV-Systeme, Personalmangel und überlastete Filialen prägen das Bild.
„Manchmal dauert es Tage, bis eine einfache Sendung weitergeleitet wird“, berichtet ein Postbote aus Piräus.
Die Regierung in Athen verteidigt die Maßnahme als „notwendigen Modernisierungsschritt“, um den Postdienst „wirtschaftlich tragfähig“ zu machen – doch in der Bevölkerung wächst der Verdacht, dass hier ein Stück öffentliche Daseinsvorsorge geopfert wird.
Fazit: Zwischen Modernisierung und Misstrauen
Mit dem Kahlschlag bei der Post riskiert Griechenland, das Vertrauen der Bürger weiter zu verlieren.
Die Modernisierung mag betriebswirtschaftlich notwendig sein – doch der soziale Preis ist hoch. Für viele Menschen, vor allem außerhalb der Großstädte, bedeutet das Aus ihrer Filiale den Verlust einer vertrauten Anlaufstelle.
Und während die Postämter schließen, bleibt eine bittere Erkenntnis: Die Digitalisierung kommt – aber Menschlichkeit bleibt auf der Strecke.