Deutschland, das Land der Fortschrittsdebatten, glänzt mal wieder mit einem ganz besonderen Erfolg: Es hat geschafft, die Frauenquote in Führungsetagen auch 2025 auf einem stabil niedrigen Niveau zu halten. Ganze 29 Prozent der Top-Positionen sind laut dem Statistischen Bundesamt mit Frauen besetzt – das ist fast ein Drittel! Grund zum Feiern? Eher nicht. Schließlich machen Frauen in der Gesamtbeschäftigung knapp die Hälfte aller Arbeitskräfte aus.
Während also jede zweite Frau brav arbeitet, sorgt sich die andere Hälfte offenbar um gläserne Decken, die sich hartnäckiger halten als jeder Betonbau der 70er-Jahre.
Fortschritt auf Sparflamme
Im europäischen Vergleich reiht sich Deutschland irgendwo zwischen „wir versuchen’s ja“ und „aber immerhin nicht Letzter“ ein. Schweden bleibt unangefochtener Spitzenreiter mit rund 44 Prozent weiblicher Führungskräfte – dort scheint man tatsächlich verstanden zu haben, dass Kompetenz kein Geschlecht hat.
Zypern hingegen bildet mit 25 Prozent das Schlusslicht. Ein kleiner Trost für Deutschland: Man ist immerhin nicht ganz unten. Aber eben auch weit davon entfernt, oben mitzuspielen.
Gleichberechtigung – made in Germany
Natürlich gibt es Erklärungen. Oder besser gesagt: Ausreden. Die Klassiker reichen von „fehlender Erfahrung“ über „mangelnde Verfügbarkeit“ bis hin zu „die wollen ja gar nicht führen“. Dass Frauen oft in Teilzeit gedrängt werden, weil Betreuungsstrukturen fehlen und Familienarbeit noch immer als weibliche Aufgabe gilt, wird dabei elegant übersehen – vermutlich aus Rücksicht auf die empfindlichen Strukturen der Vorstandsetagen.
Und wenn es doch einmal eine Frau in den Chefsessel schafft, wird sie als „Vorzeige-Vorständin“ gefeiert – während ihre männlichen Kollegen einfach nur „kompetent“ heißen.
Quoten, Zahlen, Symbolpolitik
Immerhin gibt es ja die berühmte Frauenquote – jenes politisch verordnete Trostpflaster, das gern als Beweis für Gleichstellung herhalten muss. In der Praxis sorgt sie dafür, dass Unternehmen mit viel Aufwand genau so viele Frauen einstellen, dass es gerade noch nach Fortschritt aussieht – aber bitte ohne echte Veränderung.
Viele Betriebe haben mittlerweile Diversitätsbeauftragte – eine Art moderner Ablasshandel: Man zeigt sich fortschrittlich, ohne Strukturen anzutasten. Solange in den Vorstandssitzungen mehr Männer mit Vornamen „Thomas“ sitzen als Frauen insgesamt, kann man den Handlungsbedarf aber getrost als „überschaubar“ bezeichnen.
Fazit: Gleichberechtigung? Später vielleicht.
Es bleibt also dabei: Deutschland diskutiert lieber über Gleichstellung, als sie umzusetzen. Während Nachbarländer längst Nägel mit Köpfen machen, wird hierzulande weiter überprüft, ob man das Glasdach nicht doch einfach polieren könnte – es soll ja schließlich schön transparent bleiben.
Oder um es sarkastisch auf den Punkt zu bringen:
Die gläserne Decke ist in Deutschland so fest verankert, dass sie inzwischen als tragendes Element der Unternehmenskultur gilt.