Der Jahresabschluss 2025 der Windpark Holstenniendorf GmbH & Co. KG aus Niebüll liefert mehrere Zahlen, die einer näheren Betrachtung bedürfen.
Besonders auffällig ist die Entwicklung des Eigenkapitals.
Zum 31. Dezember 2024 wies die Gesellschaft noch 289.738,58 Euro Eigenkapital aus.
Ein Jahr später lautet die entsprechende Position:
0,00 Euro.
Damit nicht genug.
Auf der Aktivseite erscheint zusätzlich ein „nicht durch Vermögenseinlagen gedeckter Verlustanteil Kommanditisten“ von 61.943,30 Euro.
Eine entsprechende Position war für das Vorjahr nicht ausgewiesen.
Kapitalbasis innerhalb eines Jahres vollständig aufgezehrt
Damit hat sich die bilanzielle Eigenkapitalsituation innerhalb nur eines Geschäftsjahres erheblich verändert.
Ende 2024:
+289.738,58 Euro Eigenkapital
Ende 2025:
0 Euro Eigenkapital und 61.943,30 Euro ungedeckter Verlustanteil.
Zwischen diesen beiden Stichtagspositionen liegt rechnerisch eine Verschlechterung der Kapitallage um rund 351.682 Euro.
Das ist allerdings nicht automatisch mit einem Jahresfehlbetrag von exakt 351.682 Euro gleichzusetzen.
Bei einer Kommanditgesellschaft können beispielsweise Ergebniszuweisungen, Einlagen, Entnahmen, Ausschüttungen oder andere Bewegungen auf den Kapitalkonten eine Rolle spielen.
Da die vollständige Gewinn- und Verlustrechnung in den vorliegenden Veröffentlichungsdaten nicht enthalten ist, lässt sich der Jahresverlust daraus nicht sicher bestimmen.
Kein positives bilanzielles Eigenkapital mehr
Fest steht jedoch:
Zum Bilanzstichtag verfügt die Gesellschaft bilanziell über kein positives Eigenkapital mehr.
Der nicht durch Vermögenseinlagen gedeckte Verlustanteil von 61.943 Euro zeigt vielmehr, dass die Verlustanteile der Kommanditisten deren entsprechende Vermögenseinlagen übersteigen.
Das ist ein Warnsignal für die Kapitalstruktur.
Es bedeutet allerdings nicht automatisch, dass die Gesellschaft zahlungsunfähig oder insolvenzrechtlich überschuldet ist.
Diese Unterscheidung ist wichtig.
Kein automatischer Insolvenzschluss
Eine handelsbilanzielle Unterdeckung beziehungsweise ein nicht durch Vermögenseinlagen gedeckter Verlustanteil reicht allein nicht aus, um einen Insolvenzgrund festzustellen.
Für eine Beurteilung der Zahlungsfähigkeit wären insbesondere die verfügbaren liquiden Mittel, fälligen Zahlungsverpflichtungen und erwarteten Zahlungsströme erforderlich.
Auch eine insolvenzrechtliche Überschuldungsprüfung kann nicht allein aus dieser Bilanzposition abgeleitet werden.
Der vorliegende Jahresabschluss enthält zudem keinen Hinweis darauf, dass ein Insolvenzverfahren eingeleitet worden wäre.
Deshalb sollte die Situation präzise beschrieben werden:
Die Gesellschaft weist zum Jahresende 2025 kein positives Eigenkapital und einen nicht durch Vermögenseinlagen gedeckten Verlustanteil von 61.943 Euro aus.
Weitergehende Schlussfolgerungen wären anhand des veröffentlichten Materials nicht belastbar.
Liquidität sinkt um mehr als 70 Prozent
Neben der Eigenkapitalentwicklung fällt eine zweite Zahl besonders auf.
Das Bankguthaben sank von:
264.300,70 Euro
auf nur noch:
75.434,23 Euro.
Damit gingen die liquiden Mittel innerhalb eines Jahres um 188.866,47 Euro zurück.
Das entspricht einem Rückgang von rund 71,5 Prozent.
Gerade vor dem Hintergrund der gleichzeitig verschlechterten Eigenkapitalsituation ist diese Entwicklung von Interesse.
75.434 Euro Bankguthaben bedeuten allerdings ebenfalls nicht automatisch ein Liquiditätsproblem.
Entscheidend wäre, welche Zahlungseingänge und Zahlungsverpflichtungen nach dem Bilanzstichtag anstehen.
Kurzfristige Schulden steigen
Hinzu kommt eine weitere Entwicklung.
Die Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von weniger als einem Jahr erhöhten sich nach den Angaben im Anhang von:
2.321.716,24 Euro
auf:
2.661.034,58 Euro.
Das entspricht einem Anstieg um rund 339.318 Euro beziehungsweise 14,6 Prozent.
Damit treffen zum Jahresende 2025 niedrigere liquide Mittel auf höhere kurzfristig fällige Verbindlichkeiten.
Der Vergleich ist relevant, darf aber ebenfalls nicht überinterpretiert werden.
Dem Unternehmen stehen neben dem Bankguthaben Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände von 525.466,82 Euro gegenüber.
Außerdem können laufend Einnahmen aus der Stromproduktion entstehen.
Eine belastbare Liquiditätsanalyse wäre deshalb nur anhand einer Liquiditäts- beziehungsweise Cashflowplanung möglich.
Forderungen ebenfalls rückläufig
Auch die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände gingen zurück.
Ende 2024 standen hier 621.154,70 Euro.
Ende 2025 waren es 525.466,82 Euro.
Der Rückgang beträgt rund 95.688 Euro beziehungsweise 15,4 Prozent.
Das gesamte Umlaufvermögen reduzierte sich dadurch besonders deutlich.
Es sank von:
885.455,40 Euro
auf:
600.901,05 Euro.
Das entspricht einem Minus von rund 284.554 Euro beziehungsweise 32,1 Prozent.
Die kurzfristig verfügbaren beziehungsweise kurzfristig realisierbaren Vermögenswerte haben sich damit erheblich reduziert.
Anlagevermögen sinkt um knapp 700.000 Euro
Den größten Vermögensposten bildet weiterhin das Anlagevermögen.
Es reduzierte sich von 13.338.846 Euro auf 12.643.395 Euro.
Das entspricht einem Rückgang um:
695.451 Euro beziehungsweise rund 5,2 Prozent.
Praktisch der gesamte Rückgang betrifft die Sachanlagen.
Diese sanken ebenfalls um 695.451 Euro auf 12.634.020 Euro.
Die Finanzanlagen blieben dagegen unverändert bei 9.375 Euro.
Der Anhang erklärt, dass das abnutzbare Sachanlagevermögen linear über seine voraussichtliche Nutzungsdauer abgeschrieben wird.
Der Rückgang dürfte deshalb zumindest wesentlich mit planmäßigen Abschreibungen zusammenhängen.
Eine detaillierte Anlagenentwicklung liegt in dem vorliegenden Material allerdings nicht vor.
Auffällig hoher Rechnungsabgrenzungsposten
Eine weitere bemerkenswerte Position befindet sich auf der Aktivseite.
Der aktive Rechnungsabgrenzungsposten beträgt zum Jahresende:
2.437.418,75 Euro.
Im Vorjahr waren es sogar 2.545.625,44 Euro.
Damit macht allein diese Position rund 15,5 Prozent der gesamten Bilanzsumme aus.
Der Anhang erklärt lediglich allgemein, dass es sich dabei um Ausgaben vor dem Bilanzstichtag handelt, die Aufwand für einen bestimmten Zeitraum nach dem Stichtag darstellen.
Welche konkreten Zahlungen dahinterstehen, wird in den vorliegenden Angaben nicht erläutert.
Bei einer Größenordnung von mehr als 2,4 Millionen Euro wäre eine nähere Aufschlüsselung für die wirtschaftliche Bewertung interessant.
Bilanzsumme sinkt um mehr als eine Million Euro
Insgesamt reduzierte sich die Bilanzsumme von:
16.769.926,84 Euro
auf:
15.743.658,10 Euro.
Das entspricht einem Rückgang von rund 1,026 Millionen Euro beziehungsweise 6,1 Prozent.
Dazu tragen vor allem der niedrigere Buchwert des Anlagevermögens, das gesunkene Umlaufvermögen und der niedrigere Rechnungsabgrenzungsposten bei.
Verbindlichkeiten sinken um rund 546.500 Euro
Auf der Passivseite gibt es gleichzeitig eine positive Entwicklung.
Die gesamten Verbindlichkeiten gingen von:
16.234.210,73 Euro
auf:
15.687.673,35 Euro
zurück.
Das entspricht einem Schuldenabbau von rund 546.537 Euro beziehungsweise 3,4 Prozent.
Das ist grundsätzlich positiv.
Allerdings ist die Verschuldung gemessen an der Bilanzsumme weiterhin außerordentlich hoch.
Die Verbindlichkeiten entsprechen rechnerisch rund 99,6 Prozent der Bilanzsumme.
Diese Relation ist auch deshalb so hoch, weil zum Jahresende kein positives Eigenkapital mehr vorhanden ist.
Sämtliche Verbindlichkeiten sind besichert
Eine besonders wichtige Angabe findet sich im Anhang.
Dort heißt es, der Gesamtbetrag der bilanzierten Verbindlichkeiten, die durch Pfandrechte oder ähnliche Rechte gesichert sind, betrage:
15.687.673,35 Euro.
Das entspricht exakt den gesamten bilanzierten Verbindlichkeiten.
Nach dem Wortlaut des veröffentlichten Abschlusses sind damit 100 Prozent der Verbindlichkeiten durch Pfandrechte oder ähnliche Rechte gesichert.
Welche konkreten Vermögensgegenstände als Sicherheiten dienen und welche Gläubiger welche Sicherheiten besitzen, wird in dem vorliegenden Anhang allerdings nicht näher erläutert.
Für die Beurteilung der Finanzierungsstruktur wäre diese Information wichtig.
1,27 Millionen Euro Schulden gegenüber Gesellschaftern
Von den gesamten Verbindlichkeiten entfallen:
1.268.955,77 Euro
auf Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern.
Dieser Betrag ist gegenüber dem Vorjahr exakt unverändert.
Die Gesellschafterverbindlichkeiten machen damit rund 8,1 Prozent der gesamten Verbindlichkeiten aus.
Unklar bleibt anhand der vorliegenden Angaben, um welche Art von Forderungen es sich konkret handelt.
Denkbar wären beispielsweise Gesellschafterdarlehen oder andere Verrechnungsposten.
Der Jahresabschluss erläutert die Zusammensetzung jedoch nicht.
Mehr als 13 Millionen Euro langfristige Schulden
Die Finanzierung ist überwiegend langfristig.
Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr werden mit:
13.026.638,77 Euro
angegeben.
Davon entfallen 4.043.342,88 Euro auf Laufzeiten zwischen einem und fünf Jahren.
Weitere 8.483.295,89 Euro haben eine Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren.
Das bedeutet:
Mehr als die Hälfte der gesamten Verbindlichkeiten läuft länger als fünf Jahre.
Das reduziert grundsätzlich den kurzfristigen Refinanzierungsdruck.
Aber eine Zahl passt rechnerisch nicht
Bei den Laufzeitangaben fällt allerdings eine Unstimmigkeit auf.
Der Abschluss nennt für 2025:
13.026.638,77 Euro Verbindlichkeiten mit mehr als einem Jahr Restlaufzeit.
Gleichzeitig werden davon:
4.043.342,88 Euro mit ein bis fünf Jahren
und
8.483.295,89 Euro mit mehr als fünf Jahren
angegeben.
Addiert ergeben diese beiden Positionen jedoch lediglich:
12.526.638,77 Euro.
Es fehlen damit exakt:
500.000 Euro.
Diese Differenz ist auffällig.
Entweder ist eine der veröffentlichten Zahlen fehlerhaft oder es existiert eine weitere Laufzeitkategorie beziehungsweise Position, die aus dem vorliegenden Text nicht ersichtlich ist.
Das sollte die Geschäftsführung erklären.
Auch die Vorjahreszahlen werfen Fragen auf
Eine weitere rechnerische Auffälligkeit findet sich bei den Vorjahresangaben.
Für 2024 werden Gesamtverbindlichkeiten von 16.234.210,73 Euro ausgewiesen.
Gleichzeitig nennt der Anhang:
2.321.716,24 Euro mit weniger als einem Jahr Restlaufzeit
und
15.181.450,26 Euro mit mehr als einem Jahr Restlaufzeit.
Zusammen wären das rund:
17,503 Millionen Euro.
Das sind etwa 1,269 Millionen Euro mehr als die gesamten bilanzierten Verbindlichkeiten.
Auffällig ist, dass diese Differenz nahezu exakt den ausgewiesenen Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern von 1.268.955,77 Euro entspricht.
Das könnte darauf hindeuten, dass es bei der Darstellung oder Zuordnung der Laufzeiten eine Besonderheit oder einen Übertragungsfehler gibt.
Aus den veröffentlichten Zahlen allein lässt sich das jedoch nicht sicher erklären.
Rückstellungen sinken massiv
Deutlich reduziert haben sich auch die Rückstellungen.
Sie gingen von:
245.977,53 Euro
auf nur noch:
55.984,75 Euro
zurück.
Das entspricht einer Reduzierung um rund 189.993 Euro beziehungsweise 77,2 Prozent.
Der Anhang erklärt lediglich allgemein, dass die sonstigen Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten gebildet wurden und alle erkennbaren Risiken berücksichtigt seien.
Warum die Rückstellungen innerhalb eines Jahres um mehr als drei Viertel zurückgingen, wird nicht erläutert.
Auch hier besteht Erklärungsbedarf.
Keine Arbeitnehmer
Die Gesellschaft beschäftigt nach eigenen Angaben keine Arbeitnehmer.
Die Geschäftsführung und Vertretung erfolgt über die persönlich haftende Gesellschafterin ITWVW GmbH aus Niebüll.
Diese verfügt über ein Stammkapital von 25.000 Euro.
Als Geschäftsführer werden Dr. Peter Bendix Brodersen und Hans-Christian Acktun genannt.
Der Jahresabschluss wurde am 10. September 2026 festgestellt.
Keine besonderen Ereignisse nach Jahresende
Im Nachtragsbericht erklärt die Geschäftsführung, dass nach Ende des Geschäftsjahres keine Vorgänge von besonderer Bedeutung eingetreten seien, die nicht bereits in Bilanz oder Gewinn- und Verlustrechnung berücksichtigt wurden.
Das ist für die Einordnung relevant.
Es ersetzt allerdings keine Aussage über die künftige Liquiditäts- und Ertragsentwicklung.
Die zentrale Frage: Was ist 2025 passiert?
Der Abschluss zeigt eine auffällige Kombination:
Das Eigenkapital von 289.739 Euro ist vollständig verschwunden.
Zusätzlich entsteht ein ungedeckter Verlustanteil von 61.943 Euro.
Das Bankguthaben sinkt um rund 189.000 Euro.
Das Umlaufvermögen geht um rund 285.000 Euro zurück.
Gleichzeitig werden die Verbindlichkeiten immerhin um rund 547.000 Euro reduziert.
Diese Entwicklung lässt sich ohne die vollständige Gewinn- und Verlustrechnung nicht abschließend erklären.
Vor allem fehlen Angaben zu Umsatzerlösen, Stromproduktion, Jahresergebnis, Zinsaufwand und operativem Cashflow.
Fragen an die Geschäftsführung
Aus dem Jahresabschluss ergeben sich deshalb mehrere konkrete Fragen.
Die wichtigste lautet:
Wie hoch war der Jahresfehlbetrag 2025 und wodurch wurde das Eigenkapital innerhalb eines Jahres vollständig aufgezehrt?
Ebenso sollte erläutert werden, ob 2025 Ausschüttungen oder Entnahmen der Kommanditisten stattgefunden haben und wie sich die einzelnen Kapitalkonten entwickelt haben.
Erklärungsbedürftig ist außerdem der Rückgang der liquiden Mittel um mehr als 71 Prozent.
Von besonderem Interesse wäre zudem die Zusammensetzung des aktiven Rechnungsabgrenzungspostens von 2,44 Millionen Euro.
Hinzu kommen die rechnerischen Auffälligkeiten bei den Laufzeitangaben der Verbindlichkeiten.
Insbesondere die 500.000-Euro-Differenz zwischen den ausgewiesenen langfristigen Gesamtverbindlichkeiten und den beiden Laufzeitgruppen sollte aufgeklärt werden.