Es sollte die Reise ihres Lebens werden. Sechzig Tage voller Sonne, Meer und australischer Küstenlandschaften. Doch für eine 80-jährige Passagierin endete die luxuriöse Expedition an Bord der „Coral Adventurer“ tödlich – vergessen auf einer Insel am Great Barrier Reef. Nun hat die Reederei die Kreuzfahrt vorzeitig gestoppt und Ermittlungen eingeleitet.
Die Frau hatte an einem Landausflug auf Lizard Island teilgenommen, einer abgelegenen Insel im Nordosten Australiens. Gemeinsam mit einer Wandergruppe wollte sie den höchsten Punkt der Insel erklimmen. Auf halber Strecke musste sie den Aufstieg abbrechen. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde ihr geraten, allein zum Schiff zurückzukehren. Doch dort kam sie nie an.
Erst Stunden später bemerkte die Crew beim Ablegen, dass die Passagierin fehlte. Das Schiff kehrte um, Suchmannschaften durchkämmten das Gelände. Am nächsten Tag wurde die Frau tot auf der Insel gefunden. Medienberichten zufolge stürzte sie vermutlich beim Abstieg von einer Klippe.
Die australische Seeverkehrsbehörde (Amsa) leitete sofort Ermittlungen ein. Sie untersuche, warum die Frau beim Wiedereinschiffen nicht bemerkt worden sei und welche Sicherheitsvorkehrungen an Bord galten. Der Kapitän wurde angewiesen, keine neuen Passagiere mehr aufzunehmen. In Cairns soll das Schiff nun umfassend überprüft werden.
Die Reederei Coral Expeditions zeigte sich bestürzt und kündigte an, die laufende Reise abzubrechen. Geschäftsführer Mark Fifield erklärte, man sei stolz darauf, Gästen hochwertige Erlebnisse zu bieten, „doch angesichts der tragischen Umstände der vergangenen Woche wurde deutlich, dass wir dieses Versprechen nicht einhalten konnten“.
Die übrigen Passagiere wurden über den Abbruch informiert, die Rückkehr in den Heimathafen eingeleitet. Laut Medienberichten sollen die rund 43.000 Euro pro Person teuren Reisekosten vollständig erstattet werden.
Der Fall hat in Australien eine Debatte über Sicherheitsstandards bei Expeditionskreuzfahrten ausgelöst. Experten fordern strengere Kontrollen und klarere Verantwortlichkeiten bei Landausflügen, insbesondere bei älteren Reisenden.
Für die Angehörigen bleibt ein unbegreiflicher Verlust – und die bittere Erkenntnis, dass aus einem Traumurlaub ein tragisches Versäumnis wurde.