Nach mehreren Tagen intensiver Gefechte entlang der gemeinsamen Grenze haben Pakistan und Afghanistan einen sofortigen Waffenstillstand vereinbart. Das gab das Außenministerium Katars bekannt, das die Verhandlungen in der Hauptstadt Doha vermittelt hatte. Der diplomatische Durchbruch kam nach einer Phase eskalierender Gewalt, die auf beiden Seiten zahlreiche Todesopfer und Hunderte Verletzte gefordert hatte.
Katar, das in den vergangenen Jahren immer wieder als Vermittler in regionalen Konflikten aufgetreten ist, bestätigte, dass die Delegationen beider Länder nach stundenlangen Gesprächen zu einer Einigung gekommen seien. Ziel sei es, „eine Eskalation zu verhindern und den Weg für einen dauerhaften Frieden zu ebnen“, heißt es in einer Mitteilung des katarischen Außenministeriums.
Bereits für Samstag ist ein weiteres Treffen geplant, bei dem Vertreter aus Kabul und Islamabad über die konkreten Modalitäten und Kontrollmechanismen des Waffenstillstands beraten wollen. Dabei soll auch geklärt werden, wie die Einhaltung des Abkommens überwacht und zukünftige Zwischenfälle vermieden werden können.
Die jüngsten Kämpfe hatten sich entlang der Durand-Linie, der umstrittenen Grenzregion zwischen beiden Ländern, konzentriert. Dort war es in den vergangenen Wochen immer wieder zu bewaffneten Zusammenstößen zwischen pakistanischen Sicherheitskräften und afghanischen Einheiten gekommen. Hintergrund waren offenbar Spannungen über grenzüberschreitende Angriffe militanter Gruppen, die Pakistan der in Afghanistan herrschenden Taliban-Regierung anlastet.
Beobachter sprachen von einer der schwersten Eskalationen der letzten Jahre zwischen den beiden Nachbarstaaten. Besonders betroffen waren Dörfer und Grenzposten in den Regionen Kunar, Nangarhar und Chitral, wo es zu massiven Artillerieeinsätzen gekommen war.
Sowohl Pakistan als auch Afghanistan bestätigten inzwischen die Einigung auf eine sofortige Waffenruhe. In einer ersten Reaktion erklärte ein Sprecher des pakistanischen Außenministeriums, man hoffe, „dass dies der Beginn einer neuen Phase der Verständigung“ sei. Auch Vertreter der afghanischen Taliban-Regierung äußerten sich positiv und betonten, man wolle „Missverständnisse und feindliche Handlungen durch Dialog ersetzen“.
Internationale Beobachter begrüßten die Vereinbarung, warnten jedoch vor zu großem Optimismus. „Die Geschichte zeigt, dass Waffenstillstände zwischen Pakistan und Afghanistan oft nur von kurzer Dauer sind“, sagte ein Analyst des Thinktanks International Crisis Group. Dennoch sei es ein wichtiges Signal, dass beide Seiten bereit seien, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen.
Der jüngste Konflikt hatte die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Islamabad und Kabul weiter belastet. Pakistan wirft den Taliban seit Monaten vor, Mitgliedern der Terrororganisation Tehrik-i-Taliban Pakistan (TTP) Schutz zu gewähren, während Afghanistan seinerseits Pakistan grenzüberschreitende Luftangriffe vorhält.
Mit dem von Katar vermittelten Waffenstillstand keimt nun zumindest kurzfristig Hoffnung auf eine Beruhigung der Lage. Ob daraus jedoch ein dauerhafter Frieden erwächst, hängt davon ab, ob beide Seiten bereit sind, die tiefen politischen und sicherheitspolitischen Konflikte anzugehen, die seit Jahrzehnten zwischen ihnen bestehen.
Für die Zivilbevölkerung in den Grenzregionen bedeutet die Vereinbarung vor allem eines: eine Atempause nach Tagen des Schreckens.