Ein Durchbruch für Apfelliebhaber mit Allergien: Nach über fünf Jahren intensiver Forschung haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Hochschule Osnabrück eine neue Apfelsorte entwickelt, die besonders arm an allergieauslösenden Eiweißen ist. Schon ab November soll die sogenannte „Allergen-reduzierte Apfelsorte“ erstmals im Handel erhältlich sein.
Forschung mit Geduld und Präzision
Das Projekt wurde von einem interdisziplinären Team aus Lebensmitteltechnologen, Biologen und Medizinern begleitet. Ziel war es, durch gezielte Kreuzung und moderne Analyseverfahren eine Apfelsorte zu schaffen, die den typischen Geschmack und die Lagerfähigkeit herkömmlicher Sorten beibehält – dabei aber deutlich weniger allergene Proteine enthält.
„Wir wollten einen Apfel entwickeln, der Menschen mit leichten Apfelallergien den Genuss wieder ermöglicht“, erklärte Projektleiterin Prof. Dr. Claudia Meyer. Besonders in Kombination mit Pollenallergien – der sogenannten Kreuzallergie – reagieren viele Menschen auf herkömmliche Apfelsorten mit Jucken im Mund oder geschwollenen Schleimhäuten.
Allergiker sollen wieder unbeschwert genießen können
Laut der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) leiden in Deutschland bis zu zwei Millionen Menschen an einer Apfelallergie. Betroffene greifen häufig auf alte Sorten wie „Boskoop“ oder „Gravensteiner“ zurück, da diese natürlicherweise weniger Allergene enthalten. Die neue Osnabrücker Züchtung soll nun eine moderne Alternative bieten – mit milder Säure und ausgewogenem Aroma.
„Erste Verkostungen zeigen, dass der Geschmack viele Verbraucher überzeugt“, so Meyer. Der Apfel eigne sich sowohl zum Rohverzehr als auch zur Verarbeitung – etwa in Saft oder Gebäck.
Markteinführung ab November
Nach erfolgreichen Laboranalysen und Praxistests startet nun der Verkauf. Zunächst soll die neue Sorte in ausgewählten Supermärkten und Hofläden in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen erhältlich sein. Wenn die Nachfrage positiv ausfällt, ist eine bundesweite Einführung geplant.
Die Forschenden sehen in der Neuentwicklung einen wichtigen Schritt in Richtung verträglicher Ernährung: „Unsere Vision ist es, auch bei anderen Obstsorten allergenarme Varianten zu entwickeln – etwa bei Pfirsichen oder Kirschen.“
Wissenschaftlicher Fortschritt mit gesellschaftlicher Wirkung
Das Projekt wurde unter anderem vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördert. Es gilt als Beispiel dafür, wie agrarwissenschaftliche Forschung und praktische Ernährungshilfe Hand in Hand gehen können.