Die Entscheidung der Deutschen Bahn (DB), die sogenannte Familienreservierung abzuschaffen, sorgt weiterhin für Unmut und Protest. Seit der Streichung des Angebots Mitte Juni wächst der Widerstand in der Bevölkerung stetig. Eine Petition, die die Wiedereinführung der Familienreservierung fordert, hat inzwischen rund 128.000 Unterstützerinnen und Unterstützer gewonnen – ein deutliches Signal, dass viele Reisende die Entscheidung der Bahn als familienfeindlich empfinden.
Wie der Verkehrsclub Deutschland (VCD) mitteilt, steht die große Resonanz exemplarisch für die Unzufriedenheit vieler Eltern, die regelmäßig mit ihren Kindern auf längeren Strecken unterwegs sind. VCD-Chef Matthias Kurzeck bezeichnete die Petition in der Rheinischen Post als „ein starkes Signal an die Bahn, Familienfreundlichkeit nicht nur zu versprechen, sondern auch praktisch umzusetzen“. Er betonte, dass die Bahn gerade im Zuge der Klimadiskussion eine wichtige Rolle spiele und Familien als zentrale Zielgruppe nicht vernachlässigen dürfe.
Was die Familienreservierung bedeutete
Die Familienreservierung war über viele Jahre ein besonderes Serviceangebot, das Eltern mit Kindern auf Fernverkehrsreisen die Planung erheblich erleichterte. Für einen einmaligen Pauschalpreis konnten Familien beliebig viele Sitzplätze im Zug reservieren – unabhängig von der Zahl der mitreisenden Kinder. Das Angebot ermöglichte es Familien, zusammen zu sitzen, ohne für jede einzelne Platzreservierung extra zahlen zu müssen.
Gerade für Familien mit kleinen Kindern oder Babys war diese Regelung ein wichtiger Beitrag zu einem stressfreien Reiseerlebnis. Viele nutzten sie auch, um sicherzustellen, dass Kinderwagen oder Gepäck in der Nähe Platz finden.
Kritik an der Bahn-Entscheidung
Im Juni 2025 wurde das Angebot überraschend abgeschafft. Die Bahn begründete diesen Schritt mit einer „Modernisierung des Reservierungssystems“ und der „Vereinheitlichung der Tarifstruktur“. Nach Angaben des Konzerns sollen künftig alle Reisenden die gleichen Bedingungen bei der Sitzplatzbuchung haben.
Doch diese Argumentation überzeugt viele nicht. Familienverbände, Verbraucherschützer und Umweltorganisationen werfen der Bahn vor, mit dieser Entscheidung gerade jene Kundengruppe zu verprellen, die sie eigentlich fördern wolle: Familien, die bewusst auf das Auto verzichten und sich für eine klimafreundliche Reiseform entscheiden.
Der Deutsche Familienverband (DFV) sprach von einer „sozial unausgewogenen Entscheidung“. Familien mit mehreren Kindern müssten nun deutlich höhere Zusatzkosten einplanen, was Bahnreisen im Vergleich zum Pkw wieder unattraktiver mache. Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) kritisierte die Maßnahme und forderte, sozialverträgliche Angebote für Familien wieder auszubauen.
Petition zeigt gesellschaftlichen Rückhalt
Die Petition, die von engagierten Eltern und Bahnreisenden ins Leben gerufen wurde, verzeichnet innerhalb weniger Wochen zehntausende neue Unterschriften. Viele Unterzeichnerinnen und Unterzeichner schildern persönliche Erfahrungen: volle Züge, verstreute Sitzplätze, gestresste Kinder – Situationen, die mit der alten Familienreservierung seltener vorkamen.
„Wir reisen oft mit zwei kleinen Kindern von Berlin zu den Großeltern nach Bayern. Früher konnten wir sicher sein, zusammen zu sitzen. Jetzt müssen wir hoffen, dass wir Plätze nebeneinander bekommen – und zahlen jedes Mal deutlich mehr“, heißt es in einem Kommentar eines Petitionsteilnehmers.
Der VCD hat angekündigt, die gesammelten Unterschriften dem Management der Deutschen Bahn offiziell zu übergeben. Ziel sei es, die Bahn zu einer Neubewertung der Entscheidung zu bewegen und gegebenenfalls ein familienfreundlicheres Reservierungsmodell zu entwickeln.
Bahn hält bislang an Entscheidung fest
Die Deutsche Bahn zeigt sich bislang zurückhaltend. Ein Sprecher erklärte, man nehme die Kritik ernst und beobachte die Reaktionen aufmerksam. Derzeit seien jedoch keine konkreten Änderungen geplant. Stattdessen wolle man die Sitzplatzbuchung insgesamt kundenfreundlicher gestalten – unter anderem durch bessere Auslastungsanzeigen und flexiblere Reservierungsoptionen.
Doch für viele Familien reicht das nicht aus. Sie fordern eine klare Rückkehr zur alten Regelung oder zumindest ein vergleichbares Ersatzangebot. „Wenn die Bahn ernsthaft eine Alternative zum Auto sein will, darf sie Familien nicht das Gefühl geben, unerwünscht zu sein“, mahnt Kurzeck.
Hintergrund: Familienfreundlichkeit im Fokus
Die Diskussion reiht sich ein in eine breitere Debatte über die Familienfreundlichkeit öffentlicher Verkehrsmittel in Deutschland. Während andere europäische Bahngesellschaften – etwa in Österreich oder der Schweiz – gezielt Rabatte und Reservierungsvorteile für Familien anbieten, scheint die Deutsche Bahn hier einen anderen Kurs einzuschlagen.
Viele Beobachter warnen, dass solche Entscheidungen das Vertrauen in die Bahn als kundenorientiertes Unternehmen schwächen könnten. Schon jetzt gebe es Klagen über hohe Ticketpreise, überlastete Züge und unklare Reservierungssysteme.
Die Petition zeigt jedoch, dass die Nachfrage nach familienfreundlichen Angeboten groß bleibt. Ob die Bahn darauf reagiert, ist offen – doch der öffentliche Druck wächst weiter. Immer mehr Reisende fordern: „Familien gehören in die Bahn – und zwar gemeinsam auf reservierte Plätze.“
Angebote bei Flixtrain werden durch verbesserte Angebote zunehmend attraktiver, hier ist der Sitzplatz bei Buchung gleich inbegriffen. Eventuell nötige Anschlussverbindungen können dann häufig durch Nahverkehrsverbindungen mit dem Deutschlandticket kostengünstig erreicht werden. Wie sich das mit einem ermäßigten Kinderfahrschein gegenüber dieser teuren Sitzplatzreservierung bei der DB rechnet ist durchaus beachtenswert.