Der Deutsche Jagdverband (DJV) ruft Autofahrerinnen und Autofahrer dazu auf, nach einem Zusammenstoß mit Wildtieren umgehend die Polizei zu informieren. „Oft schleppen sich verletzte Tiere ins Unterholz. Jägerinnen und Jäger können sie dort mit speziell ausgebildeten Hunden finden und das Leiden beenden“, erklärte DJV-Präsident Helmut Dammann-Tamke gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung.
Nach Angaben des Verbandes ereignet sich in Deutschland im Durchschnitt alle zweieinhalb Minuten ein Wildunfall. Damit zählen Kollisionen mit Rehen, Wildschweinen oder Füchsen zu den häufigsten Unfallarten auf Landstraßen. Besonders gefährdet sind Pendlerstrecken in waldreichen Regionen und landwirtschaftlichen Gebieten – vor allem in den frühen Morgen- und späten Abendstunden.
Schnelles Handeln rettet Leben – für Tier und Mensch
Der Jagdverband warnt eindringlich davor, Unfalltiere eigenständig zu verfolgen oder anzufassen. Stattdessen sollten Betroffene umgehend die Polizei verständigen, die wiederum den zuständigen Jagdausübungsberechtigten informiert. „Nur erfahrene Personen dürfen verletztes Wild nachsuchen und erlösen. Wer selbst in den Wald geht, bringt sich in Gefahr oder verschlimmert die Situation“, betont Dammann-Tamke.
Steigende Zahlen und Hauptursachen
Laut einer Statistik des DJV kam es im vergangenen Jahr zu rund 250.000 registrierten Wildunfällen bundesweit. Experten vermuten eine hohe Dunkelziffer, da viele Kollisionen nie gemeldet werden. Häufige Ursachen seien überhöhte Geschwindigkeit, Ablenkung am Steuer und die zunehmende Zerschneidung von Lebensräumen durch Straßen.
Besonders im Herbst und Frühjahr kommt es vermehrt zu Zusammenstößen, wenn Tiere zwischen Futter- und Rückzugsgebieten wechseln. Auch während der Dämmerung steigt das Risiko stark an – Wildtiere reagieren oft panisch auf Scheinwerferlicht und können unberechenbar auf die Fahrbahn springen.
Tipps zur Unfallvermeidung
Der Verband rät dazu, an bekannten Wildwechselstellen das Tempo deutlich zu reduzieren und besonders aufmerksam zu fahren. Taucht Wild auf der Straße auf, sollten Autofahrer kontrolliert abbremsen und nicht ausweichen – Ausweichmanöver enden häufig mit gefährlichen Folgeunfällen.
Rechtliche Verpflichtung
Ein Wildunfall gilt als meldepflichtiges Ereignis. Wer einfach weiterfährt, begeht Fahrerflucht und kann sich strafbar machen. Zudem benötigen Versicherungen für die Schadensregulierung eine offizielle Unfallbescheinigung, die von der Polizei oder dem Jagdausübungsberechtigten ausgestellt wird.