Die Wiener Polizei hat im laufenden Jahr massiv gegen illegale Prostitution in Privatwohnungen durchgegriffen. Im Zuge von 68 gezielten Kontrollen wurden bis Anfang Oktober 570 Anzeigen erstattet. Die Maßnahmen richteten sich vor allem gegen die zunehmend verbreitete Wohnungsprostitution in Kurzzeitappartements – ein Bereich, der für Behörden schwerer zu kontrollieren ist als klassische Lokale oder registrierte Bordelle.
Mehr als 200 Wohnungen kontrolliert – hohe Geldstrafen verhängt
Wie die Landespolizeidirektion Wien mitteilte, wurden seit Jahresbeginn rund 200 Wohnungen überprüft, die im Verdacht standen, illegal für sexuelle Dienstleistungen genutzt zu werden. Dabei handelte es sich zumeist um Kurzzeitappartements, die nur für wenige Tage oder Wochen angemietet wurden – ein Modell, das es erleichtert, sich der Kontrolle durch die Behörden zu entziehen.
Die Verstöße wurden mit Strafen in der Gesamthöhe von 190.000 Euro geahndet, wie Juristen und sogenannte Schnellrichter bestätigten. Grundlage für die Anzeigen ist das Wiener Prostitutionsgesetz, das klare Vorschriften zur Anmeldung, Genehmigung und zum erlaubten Betrieb von Prostitution vorsieht.
Zehn Frauen festgenommen – Wohnungen versiegelt
Im Rahmen der Kontrollaktionen wurden zudem zehn Frauen wegen illegalen Aufenthalts in Österreich vorläufig festgenommen. Sie verfügten über keine gültigen Aufenthalts- oder Arbeitsgenehmigungen und wurden den zuständigen Ausländerbehörden überstellt.
Darüber hinaus wurden 39 Wohnungen umgehend geschlossen und polizeilich versiegelt, da der Verdacht auf wiederholte oder gewerbsmäßige illegale Prostitution bestand. Auch Vermieter und Eigentümer blieben nicht unbehelligt: In allen Fällen wurde Anzeige wegen des Überlassens von Wohnraum zur Ausübung verbotener Prostitution erstattet.
Zusammenarbeit mit Magistrat – Fokus auf Kurzzeitvermietung
Die Wiener Polizei arbeitet bei diesen Einsätzen eng mit dem Magistrat der Stadt Wien zusammen. Ziel sei es, systematisch gegen das Ausweichen in illegale Wohnungsprostitution vorzugehen, wie es vor allem über Plattformen für Kurzzeitvermietung organisiert werde.
„Kurzzeitappartements bieten einen idealen Nährboden für die Umgehung gesetzlicher Bestimmungen“, so ein Sprecher der Polizei. „Gerade in anonymen Wohnhäusern wird es schwer für Anrainer und Behörden, illegale Aktivitäten rechtzeitig zu erkennen.“
Hintergrund: Schwierige Rechtslage, hoher Kontrolldruck
Die Behörden stehen bei der Bekämpfung illegaler Prostitution vor mehreren Herausforderungen: Die Akteure agieren oft mobil, digital vernetzt und grenzüberschreitend, sodass herkömmliche Kontrollmechanismen nur bedingt greifen. Hinzu kommt, dass nicht alle Formen der Wohnungsprostitution per se illegal sind – entscheidend ist etwa, ob eine Genehmigung vorliegt und ob die gesetzlich vorgeschriebenen Bedingungen erfüllt sind.
Ziel der Stadt Wien sei es, Schutzräume für Frauen in der Sexarbeit zu schaffen und zugleich illegale Ausbeutungsverhältnisse konsequent zu unterbinden. Die Kontrollen sollen laut Polizei auch im kommenden Jahr fortgesetzt und ausgeweitet werden.