Seit Monatsbeginn können Schulgruppen und Lehrlinge ab der 9. Schulstufe erneut finanzielle Unterstützung für Bildungsreisen zu EU-Institutionen beantragen. Das gab das Bundeskanzleramt am Mittwoch bekannt.
Die Fördermittel, die im Frühjahr 2025 vorübergehend ausgeschöpft waren, wurden nun wieder aufgestockt. Pro Teilnehmerin oder Teilnehmer stehen bis zu 250 Euro zur Verfügung – ein Betrag, der Reisekosten und Programmpunkte vor Ort teilweise abdecken soll.
Ziel: Europa begreifbar machen
Die Initiative „Europa erleben“, die 2022 ins Leben gerufen wurde, soll jungen Menschen die Möglichkeit bieten, EU-Institutionen wie das Europäische Parlament oder die Europäische Kommission in Brüssel oder Straßburg kennenzulernen. Ziel ist es, das Verständnis für europäische Entscheidungsprozesse zu stärken und den Mehrwert der EU erlebbar zu machen.
Laut dem Bundeskanzleramt haben bisher rund 7.300 Jugendliche von der Förderung profitiert. Allein im laufenden Jahr erhielten bereits 1.844 junge Menschen finanzielle Unterstützung für ihre Reise.
Voraussetzung: Besuch einer EU-Einrichtung
Förderfähig sind Reisen, bei denen mindestens eine offizielle EU-Einrichtung besucht wird – etwa das Europäische Parlament, den Rat der Europäischen Union oder den Europäischen Gerichtshof. Neben geführten Touren sind häufig auch Gespräche mit EU-Abgeordneten, Planspiele und Diskussionsrunden Teil des Programms.
Die Anträge können ab sofort über die Plattform des Bundeskanzleramts gestellt werden. Die Vergabe erfolgt nach dem „First come, first served“-Prinzip, solange Budgetmittel verfügbar sind.
Jugendministerin: „Europa sichtbar machen“
Jugend- und Europaministerin Claudia Plakolm (ÖVP) betonte den Bildungswert der Initiative:
„Durch Maßnahmen wie Schüler- und Lehrlingsreisen wird für Jugendliche sichtbar, welchen konkreten Nutzen die EU für ihr Leben hat. Europa wird dadurch nicht nur politisch, sondern auch persönlich erlebbar.“
Hintergrund: Wachsende Bedeutung europäischer Bildung
Programme wie „Europa erleben“ ergänzen bestehende Bildungsinitiativen wie Erasmus+ oder DiscoverEU. Während Erasmus längere Studien- und Ausbildungsaufenthalte fördert, sollen die EU-Reisen im Rahmen dieser Initiative kurze, aber intensive Einblicke in die europäische Politik und Zusammenarbeit ermöglichen.
Angesichts zunehmender EU-Skepsis in Teilen der Gesellschaft betonen Bildungsexperten den Wert solcher Programme: Sie vermittelten jungen Menschen Verantwortung, Demokratieverständnis und europäische Identität.
Fazit
Mit der Wiederaufnahme der Förderung setzt die österreichische Bundesregierung ein klares Signal für europäische Jugendbildung und politische Teilhabe. Schulen und Lehrbetriebe, die an einem Besuch in Brüssel oder Straßburg interessiert sind, können ab sofort wieder Förderanträge stellen – und ihren Schülerinnen und Schülern so einen direkten Blick hinter die Kulissen der EU ermöglichen.