Die Art, wie die Menschheit sich ernährt, spielt in der Klimakrise eine weit größere Rolle, als vielen bewusst ist. Laut einem neuen Bericht der EAT-Lancet-Kommission ist die globale Nahrungsmittelproduktion für rund 30 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich – und damit ein wesentlicher Treiber der Erderwärmung.
Die Autorinnen und Autoren warnen, dass selbst eine vollständige Abkehr von fossilen Brennstoffen nicht ausreichen würde, um das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens einzuhalten, solange das derzeitige Ernährungssystem unverändert bleibt.
Massiver Ressourcenverbrauch durch Ernährung
Die Erzeugung von Lebensmitteln beansprucht nicht nur enorme Mengen an Land, Wasser und Energie, sondern verursacht auch erhebliche Mengen an Methan, Lachgas und Kohlendioxid – insbesondere durch Viehzucht, Düngemitteleinsatz und Abholzung für Ackerflächen.
Die Forschenden sprechen von einer „doppelten Herausforderung“: Während die Ernährungssysteme einen zentralen Beitrag zur Klimakrise leisten, fehlt gleichzeitig Milliarden Menschen weltweit der Zugang zu gesunder und nachhaltiger Ernährung.
„Unsere Ernährung ist sowohl Opfer als auch Verursacher des Klimawandels“, heißt es in dem Bericht. „Ohne tiefgreifende Transformation wird das Ernährungssystem die planetaren Belastungsgrenzen sprengen.“
Ungleichgewicht zwischen Überkonsum und Mangelernährung
Laut der EAT-Lancet-Kommission leiden auf der einen Seite rund 800 Millionen Menschen an Hunger, während auf der anderen Seite mehr als zwei Milliarden Menschen überernährt oder von ernährungsbedingten Krankheiten betroffen sind. Diese Ungleichheit sei nicht nur ein soziales, sondern auch ein ökologisches Problem.
Der Bericht fordert, Ernährungspolitik, Landwirtschaft und Klimaschutz stärker zu verzahnen, um globale Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.
Empfehlung: Weniger Fleisch, mehr Pflanzen
Als zentrale Stellschraube nennen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine grundlegende Ernährungsumstellung – insbesondere in wohlhabenden Ländern.
Empfohlen wird eine pflanzenbetonte Ernährung mit mehr Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Obst und Gemüse, während der Konsum von rotem Fleisch und Milchprodukten deutlich reduziert werden sollte. Dadurch ließen sich nicht nur Emissionen senken, sondern auch Gesundheitsrisiken verringern.
Zudem müsse der Lebensmittelverschwendung entschlossener begegnet werden: Rund ein Drittel aller produzierten Nahrungsmittel wird laut UN-Schätzungen weltweit weggeworfen oder verdirbt.
Klimaziel nur mit Ernährungstransformation erreichbar
Die Autorinnen und Autoren betonen, dass eine nachhaltige Ernährungspolitik künftig ebenso wichtig wie die Energiewende sein müsse. Selbst wenn der Energiesektor bis 2050 klimaneutral werde, könne die Ernährung allein das 1,5-Grad-Limit sprengen.
„Ohne eine Transformation unserer Ernährungssysteme wird es keine Lösung der Klimakrise geben“, warnt die Kommission.
Fazit
Der Bericht der EAT-Lancet-Kommission macht deutlich: Der Klimaschutz beginnt nicht nur in der Energiepolitik, sondern auch auf dem Teller. Eine Umstellung hin zu nachhaltigen, pflanzenbasierten und gerechten Ernährungssystemen ist entscheidend, um sowohl das Klima zu stabilisieren als auch den weltweiten Hunger zu bekämpfen.