Ein Schiffsunfall auf dem Stichkanal Osnabrück hat am Montagmorgen für erhebliche Verkehrsbehinderungen gesorgt. Ein Frachtschiff ist dort gegen eine Brücke geprallt und hat dabei eine unter dem Bauwerk verlaufende Wasserleitung beschädigt. Der Unfall ereignete sich nach Angaben der Polizei am Vormittag, als das Schiff in Fahrtrichtung Hafen unterwegs war.
Kapitän leicht verletzt – Führerhaus zerstört
Bei der Kollision wurde das Führerhaus des Schiffs schwer beschädigt. Der allein an Bord befindliche Kapitän erlitt dabei leichte Verletzungen. Er konnte sich selbstständig aus dem Wrack befreien und wurde von Rettungskräften vor Ort medizinisch versorgt. Anschließend brachte ihn ein Rettungswagen vorsorglich in ein Krankenhaus.
Ein Sprecher der Polizei Osnabrück erklärte, der Kapitän sei ansprechbar und nicht in Lebensgefahr. Die genaue Höhe des Sachschadens sei noch unklar, dürfte jedoch im sechsstelligen Bereich liegen.
Unfallursache: Schiff lag zu hoch im Wasser
Nach ersten Ermittlungen der Wasserschutzpolizei war das Schiff zu wenig beladen und lag deshalb ungewöhnlich hoch im Wasser. Beim Durchfahren unter der Brücke reichte der Abstand zur Unterkante offenbar nicht aus. Das Führerhaus kollidierte mit dem Bauwerk, wodurch es vollständig zerstört wurde.
„Die ersten Untersuchungen deuten darauf hin, dass das Schiff aufgrund der geringen Ladung zu hoch auf dem Wasser lag“, erklärte ein Polizeisprecher. Ob es sich um einen Navigationsfehler oder ein Missverständnis bei der Brückendurchfahrt handelt, müsse noch geklärt werden.
Brücke voll gesperrt – Statik und Leitung werden geprüft
Nach dem Zusammenstoß wurde die Brücke vorsorglich voll gesperrt. Auch die unter der Brücke verlaufende Wasserleitung wurde bei dem Unfall beschädigt. Ob Trinkwasser oder industrielle Versorgung betroffen ist, war zunächst unklar.
Spezialteams der Stadtwerke Osnabrück und des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts (WSA) begannen umgehend mit den Überprüfungen. Neben der Leitung wird auch die Statik der Brücke auf mögliche Schäden untersucht.
„Wir müssen sicherstellen, dass die Brücke weiterhin tragfähig ist“, sagte eine Sprecherin des WSA. Solange das Ergebnis der Prüfungen nicht vorliegt, bleibt die Brücke für den Straßenverkehr gesperrt.
Schiffsverkehr kurzzeitig unterbrochen
Der Schiffsverkehr auf dem Stichkanal wurde nach dem Unfall zunächst vollständig eingestellt, um die Bergung des beschädigten Schiffs zu ermöglichen. Nach Angaben der Polizei soll der Kanal im Laufe des Tages jedoch wieder teilweise freigegeben werden.
Das Schiff wurde mittlerweile an das Ufer gezogen und soll in den kommenden Tagen in eine Werft geschleppt werden.
Wiederkehrendes Problem auf Binnenkanälen
Laut Experten kommt es immer wieder zu ähnlichen Zwischenfällen, wenn Schiffe mit ungewöhnlich geringer Ladung unterwegs sind. „Werden sie zu leicht gefahren, verändern sich Tiefgang und Aufbauhöhe, was bei niedrigen Brücken kritisch werden kann“, so ein Sprecher der Wasserschutzpolizei.
Gerade auf Binnenkanälen mit wechselnden Pegelständen ist das Risiko von Brückenkollisionen erhöht. In den vergangenen Jahren kam es bundesweit mehrfach zu vergleichbaren Unfällen.
Noch keine Entwarnung für Verkehrsteilnehmer
Wie lange die Sperrung der Brücke bestehen bleibt, ist derzeit nicht absehbar. Für Anwohner und Pendler bedeutet das vorerst Umleitungen und Verkehrsbehinderungen. Die Stadt Osnabrück kündigte an, die Öffentlichkeit zu informieren, sobald die Statikprüfung abgeschlossen ist.