Immer mehr Fahrzeughalter in Thüringen und Westsachsen geraten mit der Kfz-Steuer in Verzug. Wie das Hauptzollamt Erfurt mitteilt, wächst die Zahl der säumigen Zahler seit Jahren stetig – und mit ihr der Aufwand für die Behörden, das Geld einzutreiben.
Laut aktuellen Zahlen zahlten im vergangenen Jahr rund 86.000 Autobesitzer ihre Steuer nicht fristgerecht. Im Jahr 2023 waren es etwas über 84.000, 2022 knapp 83.000 Fälle. Damit ist ein klarer Trend zu erkennen: Immer mehr Autofahrer übersehen oder ignorieren ihre Zahlungsfrist.
„Jährlich geht es um rund zwölf Millionen Euro, die der Zoll in der sogenannten Vollstreckung eintreiben muss“, erklärte Sprecher Carlito Klaus vom Hauptzollamt Erfurt.
Wenn die Mahnung kommt – und was dann passiert
Zunächst versucht der Zoll, die offenen Beträge durch Mahnungen einzufordern. Wer darauf nicht reagiert, muss mit weiteren Maßnahmen rechnen. Dazu gehören Pfändungen, Kontosperren oder die Einziehung des Fahrzeugscheins. In extremen Fällen kann sogar die Zwangsstilllegung des Autos drohen.
„Die meisten Fälle lassen sich aber bereits durch Mahnungen oder Zahlungsvereinbarungen klären“, sagte Klaus. Dennoch bleibe der Aufwand für die Beamten groß.
Die Kfz-Steuer wird von der Zollverwaltung erhoben – nicht vom Finanzamt. Grundlage ist die jährliche Steuerbescheinigung, die jeder Fahrzeughalter nach der Anmeldung seines Autos erhält. Die Frist für die Zahlung liegt meist bei einem Monat nach Fälligkeit.
Gründe für Zahlungsverzug: Vergesslichkeit, finanzielle Engpässe, Umzüge
Warum immer mehr Menschen ihre Kfz-Steuer zu spät bezahlen, ist vielschichtig. Häufig handle es sich laut Zoll um schlichte Vergesslichkeit oder Unwissenheit, etwa nach einem Umzug oder beim Fahrzeugwechsel.
In anderen Fällen seien finanzielle Schwierigkeiten ausschlaggebend. Steigende Lebenshaltungskosten und hohe Energiepreise könnten dazu führen, dass die Kfz-Steuer „nach hinten geschoben“ wird.
„Viele denken, es passiert schon nichts – bis der Brief vom Zoll kommt“, so Klaus.
Folgen für Autofahrer: Zusatzkosten und Ärger
Wer seine Kfz-Steuer zu spät überweist, riskiert Säumniszuschläge und Mahngebühren. Diese können sich schnell summieren. Hinzu kommt, dass der Zoll bei wiederholten Versäumnissen die Fahrzeugzulassung sperren kann.
Das bedeutet: Neue Autos dürfen nicht mehr angemeldet werden, solange Schulden bestehen. Auch die Versicherung kann Probleme machen, wenn das Fahrzeug behördlich stillgelegt wird.
Digitalisierung soll helfen – aber nicht alle profitieren
Der Zoll verweist darauf, dass inzwischen viele Bürger ihre Steuerbescheide digital über das Online-Portal abrufen können. Dort gibt es Erinnerungsfunktionen und automatische Zahlungsaufforderungen.
Doch gerade ältere Fahrzeughalter oder Personen ohne Onlinezugang bleiben auf klassische Briefe angewiesen. „Wir sehen, dass vor allem bei analogen Bescheiden die Zahl der Versäumnisse höher ist“, erklärte Klaus.
Fazit: Der Zoll bleibt dran
Mit rund zwölf Millionen Euro jährlich ist die Kfz-Steuer-Säumigkeit kein Kavaliersdelikt, sondern ein ernstzunehmendes Finanzthema. Die Behörden wollen deshalb weiter konsequent vorgehen – aber auch auf Aufklärung und Kommunikation setzen.
„Wir sind keine Inkassofirma, sondern Teil der Steuerverwaltung“, betont Klaus. „Unser Ziel ist es nicht zu bestrafen, sondern die Zahlung sicherzustellen.“
Dennoch gilt für Autofahrer: Wer seine Kfz-Steuer vergisst, zahlt am Ende doppelt – mit Geld und Nerven.