Die Stimmung unter deutschen Gründerinnen und Gründern trübt sich spürbar ein. Laut einer aktuellen Erhebung des Startup-Verbands bewerten nur noch 57 Prozent der befragten Start-ups den Standort Deutschland als „gut“ oder „sehr gut“. Im Vorjahr lag der Anteil noch bei 61 Prozent, 2023 sogar bei über 70 Prozent. Die Zahlen zeigen deutlich: Die anfängliche Aufbruchsstimmung weicht zunehmend Ernüchterung.
Ein besonders alarmierendes Signal: Auch die Gründungsbereitschaft sinkt. Zwar würden 78 Prozent der Gründerinnen und Gründer erneut den Schritt in die Selbstständigkeit wagen – ein im internationalen Vergleich immer noch hoher Wert. Doch der Rückgang gegenüber den Vorjahren ist bezeichnend: 2024 lag der Wert noch bei 84 Prozent, 2023 sogar bei 89 Prozent.
Als Gründe für die wachsende Skepsis nennen Start-ups vor allem die überbordende Bürokratie, langsame Verwaltungsprozesse, hohe Steuerlasten und den Mangel an Risikokapital. Viele beklagen zudem die Unsicherheit in der Energiepolitik sowie komplizierte Förderstrukturen, die Innovationen eher behindern als fördern.
Besonders Start-ups in den Bereichen GreenTech, KI und Biotechnologie sehen sich mit einem Spannungsfeld konfrontiert: Einerseits gelten sie als Zukunftstreiber, andererseits fühlen sie sich von der Politik oft im Stich gelassen. „Wir wollen forschen und wachsen, nicht Formulare ausfüllen“, so ein Gründer aus München.
Trotz der negativen Grundstimmung gibt es auch positive Signale. Im internationalen Vergleich gewinnt Deutschland wieder leicht an Vertrauen – insbesondere gegenüber den USA, wo die wirtschaftliche und politische Lage für Gründer derzeit als unberechenbarer gilt. Gründe dafür sind Deutschlands gute Bildungs- und Forschungslandschaft, stabile Infrastruktur und der hohe Lebensstandard, die den Standort nach wie vor attraktiv machen.
Der Startup-Verband fordert dennoch entschlossenes Handeln: Ein Bürokratieabbau, schnellere Genehmigungsverfahren und ein einheitlicher digitaler Gründungsprozess seien überfällig. Auch müsse die Politik das Thema Venture Capital ernster nehmen – Deutschland hinkt hier Ländern wie Frankreich oder Großbritannien weiterhin deutlich hinterher.
„Ohne mutige Reformen wird Deutschland den Anschluss an die Innovationsnationen verlieren“, warnt ein Sprecher des Verbands. „Wir brauchen ein Gründerklima, das Ideen belohnt – nicht erschwert.“