Die Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes, Eva Maria Welskop-Deffaa, hat sich klar gegen das Konzept einer sogenannten Aktivrente ausgesprochen. In einem Interview mit der Welt am Sonntag bezeichnete sie die Idee als „ein sehr teures Steuergeschenk für gut situierte Boomer“.
Kritik an Kosten und Zielgruppe
Nach Einschätzung der Caritas-Chefin würden die vorgesehenen drei Milliarden Euro vor allem Menschen zugutekommen, die ohnehin finanziell abgesichert sind. Schon jetzt hätten Rentnerinnen und Rentner die Möglichkeit, bis zu 48.000 Euro im Jahr hinzuzuverdienen, ohne Einbußen bei ihrer Rente befürchten zu müssen. „Das ist großzügig, wenn man davon ausgeht, dass die Rente eine Lohnersatzleistung für eine Lebensphase ist, in der ich nicht mehr in der Lage bin, meine Existenz durch eigene Arbeit zu sichern“, so Welskop-Deffaa.
Debatte um längeres Arbeiten
Die Aktivrente wird derzeit in Politik und Wirtschaft als Modell diskutiert, um ältere Arbeitnehmer länger im Berufsleben zu halten und damit Fachkräftemangel und Finanzierungslücken in der Rentenkasse abzufedern. Befürworter verweisen darauf, dass viele Menschen heute länger gesund und leistungsfähig seien als frühere Generationen.
Sozialverbände fordern andere Prioritäten
Sozialverbände wie die Caritas plädieren dagegen dafür, die knappen Mittel gezielt für diejenigen einzusetzen, die im Alter auf Unterstützung angewiesen sind. Statt Steuererleichterungen für weiterarbeitende Rentner brauche es aus ihrer Sicht mehr Investitionen in Pflege, soziale Sicherung und die Bekämpfung von Altersarmut.
Die Diskussion über die Aktivrente dürfte in den kommenden Wochen an Fahrt aufnehmen – nicht zuletzt, weil sie in der Koalition unterschiedlich bewertet wird.