Nach der Absetzung der Late-Night-Show von Jimmy Kimmel wegen Äußerungen über den ermordeten rechten Aktivisten Charlie Kirk wächst in den USA die Kritik am Vorgehen der Trump-Regierung. Selbst konservative Stimmen warnen vor massiven Eingriffen in die Meinungsfreiheit.
Der Vorsitzende der Medienaufsicht FCC, Brendan Carr, hatte ABC mit Konsequenzen gedroht, falls der Sender Kimmel nicht bestrafe. ABC zog daraufhin die Show „Jimmy Kimmel Live!“ auf unbestimmte Zeit aus dem Programm. Präsident Trump begrüßte die Entscheidung und drohte anderen Sendern mit Lizenzentzug.
Kritik aus den eigenen Reihen
Doch selbst im konservativen Lager sorgt der Vorfall für Unruhe. Der texanische Senator Ted Cruz erklärte in seinem Podcast, er sei zwar „froh, dass Kimmel weg ist“, warnte jedoch vor den Folgen: „Wenn wir den Staat nutzen, um Rede zu bestrafen, wird eines Tages eine demokratische Regierung dieselben Mittel gegen uns einsetzen – und das wäre brandgefährlich.“
Auch die konservative Wall Street Journal-Redaktion sprach von „Cancel Culture von rechts“ und kritisierte Carrs Drohungen als unverhältnismäßig.
Cancel Culture – nur mit umgekehrten Vorzeichen
Beobachter sehen in der Kampagne gegen Kimmel ein Spiegelbild jener „Cancel Culture“, die Republikaner jahrelang den Demokraten vorwarfen. Während nach dem Tod von George Floyd 2020 vor allem linke Protestbewegungen Arbeitgeber und Institutionen zu Sanktionen gegen „unliebsame Stimmen“ drängten, gehen nun viele Konservative ähnlich gegen Kimmels Kommentare und andere kritische Äußerungen über Kirk vor.
Nach einer Analyse von USA Today haben seit Kirks Ermordung bereits über 100 Menschen berufliche Konsequenzen für kritische oder sarkastische Kommentare im Netz erlitten – von Lehrern über Ärzte bis hin zu Journalisten.
Regierung setzt Druckmittel ein
Besonders brisant ist die Rolle der Regierung: Vizepräsident JD Vance rief Bürger auf, Arbeitgeber von Kirk-Kritikern zu kontaktieren. Außenminister Marco Rubio bestätigte, dass Visa für Ausländer verweigert wurden, die den Tod Kirks bejubelten. Verteidigungsminister Pete Hegseth sprach von möglichen Sanktionen gegen Soldaten und Pentagon-Mitarbeiter.
Kritiker wie Lee Rowland von der National Coalition Against Censorship sehen darin weit mehr als Cancel Culture: „Das ist ein klarer Fall von staatlichem Zwang, um abweichende Meinungen zu unterdrücken. Es geht nicht mehr um Twitter-Mobs, sondern um Regierungsgewalt.“
Fazit
Die Debatte um Kimmel zeigt, wie tief die USA im Jahr 2025 im Kulturkampf um Meinungsfreiheit stecken. Während Trump und seine Anhänger behaupten, sie wollten „freie Rede zurückbringen“, werfen Gegner der Regierung genau das Gegenteil vor: eine staatlich orchestrierte Zensur – und ein gefährliches Signal für kommende Wahlkämpfe.