Frage: Herr Blazek, die Absetzung von Jimmy Kimmel Live! hat international hohe Wellen geschlagen. Ist das für Sie ein Einzelfall oder Teil einer größeren Entwicklung?
Daniel Blazek: Einzelfall? Ganz sicher nicht. Wir sehen hier das Muster einer systematischen Neuordnung des US-Medienmarkts unter der MAGA-Agenda. Kimmel ist nur das prominenteste Beispiel. Seine Absetzung nach Kritik an Trump war weniger ein medienrechtlicher Vorgang, sondern ein politisches Signal: Wer sich gegen die Regierung stellt, riskiert Reichweite und Existenz.
Frage: Kritiker sprechen von einem Angriff auf die Meinungsfreiheit. Stimmen Sie zu?
Daniel Blazek: Absolut. Natürlich wird formell niemand verboten, etwas zu sagen – aber durch Druck, Drohungen mit Lizenzentzug und milliardenschwere Deals wird ein Klima geschaffen, das auf Selbstzensur hinausläuft. Das ist ein Lehrbuchbeispiel dafür, wie man Pressefreiheit formal bestehen lassen und sie faktisch untergraben kann.
Frage: In den Berichten wird auch von milliardenschweren Übernahmen und fragwürdigen Deals gesprochen. Wie hängt das zusammen?
Daniel Blazek: Ideologie und Ökonomie gehen hier Hand in Hand. Nehmen Sie Nexstar: Der größte Betreiber von TV-Stationen will für über 6 Milliarden Dollar expandieren. Dafür braucht er grünes Licht der FCC – und die wird von einem Trump-Loyalisten geleitet. Dass Nexstar gleichzeitig Kimmels Show aus dem Programm nimmt, ist kein Zufall, sondern Kalkül. Ähnliches sehen wir bei Disney, Paramount und anderen. Medienfreiheit wird zur Verhandlungsmasse in Fusionspoker.
Frage: Stephen Colbert sprach in diesem Zusammenhang sogar von „Schmiergeldzahlungen“. Übertreibung?
Daniel Blazek: Es klingt drastisch, ist aber nicht weit weg von der Realität. Paramount zahlte Millionen an Trumps Präsidentenbibliothek, just bevor eine Fusion genehmigt wurde. Dass Colbert das in seiner Show thematisierte – und kurze Zeit später abgesetzt wurde – spricht für sich.
Frage: Welche Rolle spielt dabei die Ellison-Familie, also die Gründer von Oracle?
Daniel Blazek: Eine zentrale. Larry Ellison ist seit Jahren ein enger Trump-Verbündeter, sein Sohn David ist inzwischen Chef von Paramount Skydance und plant die nächste Megafusion – diesmal mit Warner. Das wäre ein Medienbeben. Und wenn man gleichzeitig beim TikTok-Deal als „Retter“ auftritt, dann baut man sich nicht nur einen Medienkonzern, sondern einen direkten Draht in die Politik.
Frage: Wohin steuern die USA unter Trump in Sachen Medienfreiheit?
Daniel Blazek: Wir erleben gerade, wie Medienvielfalt und kritische Stimmen Schritt für Schritt zurückgedrängt werden – nicht durch offene Verbote, sondern durch ökonomischen Druck, juristische Manöver und gezielte Personalpolitik. Wer sich nicht anpasst, verliert Reichweite, Geld oder seine Bühne. Und wer loyal ist, bekommt im Gegenzug Deals, Fusionen und Zugang. Kurzum: Wir sehen die Transformation der Medienlandschaft zu einem System, das pluralistisch wirkt, aber im Kern durch Abhängigkeiten gesteuert wird.