Am morgigen Samstag eröffnet in München das Oktoberfest, das größte Volksfest der Welt. Auf der Theresienwiese werden in den kommenden 16 Tagen rund sieben Millionen Besucher erwartet – eine Zahl, die die bayerische Landeshauptstadt jedes Jahr aufs Neue vor logistische Meisterleistungen stellt.
14 Festzelte, tausende Sitzplätze und Millionen Maß
Insgesamt 14 große Festzelte mit Platz für jeweils mehrere tausend Gäste sowie über 20 kleinere Zelte werden zum Mittelpunkt des Geschehens. Dort fließt das Bier in Strömen: Rund 6,5 Millionen Maß wurden im vergangenen Jahr ausgeschenkt, dazu wurden über 400.000 Brathendl, tonnenweise Schweinshaxn und unzählige Brezn verzehrt. Jedes Zelt hat seinen eigenen Charakter – vom traditionsbewussten Schottenhamel-Zelt bis zum international geprägten Hofbräu-Festzelt.
Tradition und Spektakel vereint
Das Oktoberfest ist ein Stück gelebter bayerischer Kultur. Schon der Eröffnungstag folgt festen Ritualen: Nach dem festlichen Einzug der Wiesn-Wirte und Brauereien zapft Münchens Oberbürgermeister im Schottenhamel-Zelt das erste Fass an. Mit dem traditionellen Ausruf „O’zapft is!“ beginnt offiziell der Bierfluss in allen Zelten. Auch das große Trachten- und Schützenfest am ersten Sonntag ist ein Höhepunkt, bei dem Gruppen aus Bayern und vielen anderen Ländern mit Musik und Trachten durch die Münchner Innenstadt ziehen.
Tourismusmagnet mit internationalem Publikum
Während für viele Münchnerinnen und Münchner der Wiesn-Besuch fester Bestandteil des Jahres ist, reisen immer mehr Gäste aus aller Welt an. Vor allem Touristinnen und Touristen aus den USA, Australien, Japan und Italien gehören zum Stammpublikum. Schätzungen zufolge bringt das Oktoberfest der Stadt München jährlich über 1,2 Milliarden Euro Umsatz – Hotels, Gastronomie und Handel profitieren enorm. Entsprechend sind die Unterkünfte seit Monaten fast ausgebucht, und auch Mietpreise für private Zimmer schnellen während der Wiesn in die Höhe.
Sicherheit im Fokus
Bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung spielt die Sicherheit eine zentrale Rolle. Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und private Sicherheitsfirmen arbeiten eng zusammen. Es gilt eine strenge Taschenkontrolle: Rucksäcke und große Taschen sind verboten, um die Sicherheitsmaßnahmen effizient umzusetzen. Mehrere hundert Polizeibeamte sind täglich im Einsatz, um das Festgeschehen zu begleiten und für schnelle Hilfe sorgen zu können.
Verkehr und Infrastruktur unter Hochdruck
Die Münchner Verkehrsbetriebe erwarten an den Wiesn-Wochenenden bis zu 100.000 Fahrgäste pro Stunde in den U- und S-Bahnen rund um die Theresienwiese. Zusätzliche Sonderzüge und verlängerte Betriebszeiten sollen den Ansturm bewältigen. Dennoch wird Besucherinnen und Besuchern geraten, möglichst frühzeitig anzureisen und Geduld mitzubringen.
Freude, Kritik und Schattenseiten
So groß die Begeisterung für das Oktoberfest auch ist – es gibt auch kritische Stimmen. Viele Münchner klagen über Lärm, Müll und die steigenden Preise. In diesem Jahr liegt der Preis für eine Maß Bier zwischen 13,50 und 15,50 Euro – ein neuer Rekordwert. Zudem bleibt das Fest nicht frei von Zwischenfällen: Jedes Jahr verzeichnen die Sanitätsdienste mehrere tausend Einsätze, oft wegen übermäßigem Alkoholkonsum.
Ein Fest mit langer Geschichte
Das Oktoberfest geht auf die Hochzeit von Kronprinz Ludwig von Bayern mit Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen im Jahr 1810 zurück. Seitdem hat sich die einstige Feier zu einem weltweiten Markenzeichen Bayerns entwickelt. Die „Wiesn“ ist heute Synonym für Bier, Brezn, Tracht und ausgelassene Stimmung – ein Aushängeschild, das München und Bayern auf der ganzen Welt bekannt gemacht hat.
Finale am ersten Oktober-Sonntag
Das diesjährige Oktoberfest läuft bis zum Sonntag, 5. Oktober. Den krönenden Abschluss bildet wie immer das große Böllerschießen am letzten Tag.