Angesichts auffällig vieler Ausbildungsabbrüche bei der Polizei fordert die Gewerkschaft der Polizei (GdP) deutliche Verbesserungen. Der stellvertretende Jugendleiter Nils Gäbel sagte MDR AKTUELL, die Rahmenbedingungen für den Polizeinachwuchs müssten dringend attraktiver gestaltet werden.
Abbruchquoten von bis zu 25 Prozent
Nach Recherchen des MDR liegt die Abbruchquote bei der Polizeiausbildung in den mitteldeutschen Bundesländern zwischen 12 und 25 Prozent. Das bedeutet: Jeder vierte Anwärter verlässt die Ausbildung vorzeitig. Als Gründe werden unter anderem Überlastung, mangelnde Betreuung sowie fehlende Praxisnähe genannt.
Forderungen der Gewerkschaft
Um die Ausbildung zukunftsfähig zu machen, plädiert Gäbel für eine umfassende Modernisierung:
-
Mehr Lehrpersonal, um die individuelle Betreuung zu verbessern,
-
digitale Lernangebote, die den heutigen Standards entsprechen,
-
eine bessere Verzahnung von Theorie und Praxis, damit der Berufseinstieg leichter gelingt.
„Wir dürfen nicht zulassen, dass junge Menschen ihre Ausbildung abbrechen, weil die Bedingungen nicht stimmen. Gerade in Zeiten von Nachwuchsmangel muss die Ausbildung so gestaltet sein, dass sie motiviert und nicht abschreckt“, sagte Gäbel.
Hintergrund: Fachkräftemangel auch bei der Polizei
Die Polizei in Deutschland steht seit Jahren vor der Herausforderung, genügend Nachwuchskräfte zu gewinnen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen im Berufsalltag – von Cyberkriminalität über Demonstrationslagen bis hin zur Bekämpfung organisierter Kriminalität. Hohe Abbruchquoten verschärfen den Personalmangel zusätzlich.
Politik unter Druck
Die Landesregierungen in Mitteldeutschland haben bereits angekündigt, die Ausbildungskapazitäten auszubauen. Ob dies reicht, ist jedoch fraglich. Gewerkschafter Gäbel betonte, dass es nicht nur um Quantität gehe: „Mehr Anwärter allein helfen nicht, wenn zu viele von ihnen auf der Strecke bleiben.“