Die Justiz in Mecklenburg-Vorpommern steht – wie in vielen anderen Bundesländern – unter erheblichem Druck. Lange Verfahrensdauern, komplexe Verfahren und zu wenig Personal haben in den vergangenen Jahren die Belastung stark erhöht. Nun meldet das Justizministerium in Schwerin positive Zahlen: In diesem Jahr konnten mehr Richterinnen, Richter und Staatsanwälte eingestellt werden, als altersbedingt aus dem Dienst ausscheiden.
Neueinstellungen auf Rekordniveau
Bislang traten 38 Proberichterinnen und Proberichter ihren Dienst an – sieben mehr als im Vorjahr. Zum Vergleich: Zwischen 2021 und 2023 lag die Zahl der jährlichen Neueinstellungen zwischen 18 und 27. Justizministerin Jacqueline Bernhardt (Linke) sprach von einem „Höchststand seit über 20 Jahren“. Besonders erfreulich sei, dass fast ein Drittel der neuen Kräfte sogenannte „Landeskinder“ seien, also aus Mecklenburg-Vorpommern stammen.
Gleichzeitig scheiden in diesem Jahr voraussichtlich 34 Richter und Staatsanwälte in den Ruhestand aus. Damit werde die Justiz personell nicht nur stabilisiert, sondern auch verjüngt, betonte die Ministerin.
Verstärkung auch bei den Staatsanwaltschaften
Von den 38 Neueinstellungen gingen 16 direkt an die Staatsanwaltschaften. Damit soll eine besonders stark belastete Säule der Justiz entlastet werden. Mit Stand August 2025 verfügt das Land über insgesamt 620 Planstellen für Richter und Staatsanwälte. Rund 20 davon sind aktuell unbesetzt – elf dieser Stellen sind allerdings bereits für Versetzungen oder Neueinstellungen vorgesehen. Somit sind etwa 98 Prozent der Planstellen besetzt – ein für die Justiz ungewöhnlich hoher Wert.
Die Berufung in den Dienst erfolgt in Mecklenburg-Vorpommern grundsätzlich zunächst auf Probe. Bemerkenswert ist, dass es im Land einen einheitlichen Probedienst gibt, der sowohl für die richterliche als auch für die staatsanwaltliche Laufbahn gilt.
Unterstützung durch den Bund
Auch die Bundespolitik setzt auf eine Stärkung der Justiz. Im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung ist ein „Pakt für den Rechtsstaat“ vorgesehen. Neben Investitionen in zusätzliches Personal sollen vor allem die Digitalisierung der Gerichte sowie die Beschleunigung von Verfahren vorangetrieben werden. Bereits 2019 hatte ein solcher Pakt dazu geführt, dass Mecklenburg-Vorpommern 37 zusätzliche Stellen erhielt.
Einordnung
Die aktuellen Zahlen zeigen, dass Mecklenburg-Vorpommern im bundesweiten Vergleich Fortschritte macht, die Justiz personell besser auszustatten. Gleichwohl bleibt die Herausforderung groß: Gerade bei langwierigen und komplexen Strafverfahren oder in der Verwaltungsgerichtsbarkeit klagen Anwälte und Bürger immer wieder über erhebliche Wartezeiten. Ob die neuen Stellen nachhaltig für Entlastung sorgen, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.