Ein stiller, glitschiger Angriff aus den Tiefen der See hat das französische Atomkraftwerk Gravelines im Norden des Landes überraschend zum Stillstand gebracht. Wo normalerweise das rhythmische Rauschen der Kühlpumpen für den sicheren Betrieb von vier Reaktoren sorgt, herrscht nun ungewohnte Ruhe – und das alles wegen einer Armee von Quallen.
In einer nächtlichen Flutwelle, deren Ursache Meeresbiologen noch rätseln lässt, trieben unzählige der gallertartigen Meerestiere in die Filtertrommeln der Pumpstationen. Was für Badegäste an der Küste höchstens ein glitschiger Schrecken ist, erwies sich für das Kraftwerk als ernstes Hindernis: Die Kühlwasserversorgung geriet ins Stocken, woraufhin die Anlage automatisch heruntergefahren wurde.
„Es handelt sich um ein massives und unvorhersehbares Auftreten von Quallen“, erklärte der Betreiber in einer Stellungnahme. Die Filter, in denen sich die Tiere verfingen, befinden sich außerhalb des nuklearen Bereichs – weder Sicherheit noch Umwelt seien beeinträchtigt worden, betonte man.
Für die Ingenieure heißt es nun: Netze reinigen, Kühlwege frei machen – und hoffen, dass sich die Meeresbewohner bald wieder zurückziehen. Für die Bewohner der Region bleibt der Vorfall jedoch ein Kuriosum, das zeigt: Nicht immer sind es Stürme, Blitze oder Technikfehler, die ein Kraftwerk ausbremsen – manchmal genügt eine sanft pulsierende Quallenwolke.