Sie sehen harmlos aus, riechen fruchtig, und sind für viele Jugendliche längst ein Lifestyle-Accessoire: Einweg-E-Zigaretten, sogenannte Vapes, erfreuen sich bei jungen Menschen großer Beliebtheit. Doch was viele für die „gesündere“ Alternative zur Tabakzigarette halten, birgt nach Ansicht von Suchtforschern erhebliche Risiken – allen voran ein hohes Suchtpotenzial.
Nikotinaufnahme so schnell wie bei Tabak – bei Einweg-Vapes
Eine neue Studie der Tabakambulanz am LMU Klinikum München unter Leitung von Suchtforscher Dr. Tobias Rüther zeigt: Einweg-E-Zigaretten setzen das Nikotin fast ebenso schnell im Körper frei wie klassische Tabakzigaretten. Damit wirken sie deutlich schneller und intensiver als bislang angenommen – und das mit schwerwiegenden Folgen.
„Je schneller ein Suchtmittel im Gehirn ankommt, desto stärker ist das Abhängigkeitspotenzial“, erklärt Rüther. „Und genau darauf sind die neuen Produkte ausgelegt – sie sollen möglichst schnell süchtig machen.“ Besonders alarmierend: Immer mehr Jugendliche, die zuvor nie geraucht hatten, werden innerhalb kurzer Zeit nikotinabhängig – durch den Einstieg über scheinbar harmlose Vapes.
Vapes als Einstieg in weitere Abhängigkeiten?
Die Wissenschaftler analysierten bei ihren Tests Blutproben von Probandinnen und Probanden beim Konsum von Einweg-Vapes, Pod-E-Zigaretten und herkömmlichen Tabakzigaretten. Ergebnis: Während die Pod-Modelle eine deutlich geringere Nikotinfreisetzung aufwiesen, lagen Einweg-Vapes nahezu gleichauf mit Zigaretten.
Rüther warnt, dass der vermeintlich harmlose Einstieg über aromatisierte Vapes nicht nur zur Nikotinsucht, sondern auch zu anderen Abhängigkeiten führen könnte. Denn der Schritt von der legalen E-Zigarette zur Nutzung anderer Substanzen sei kleiner, als viele glauben – insbesondere bei sehr jungen Konsumenten.
Gesundheitliche Risiken noch nicht voll erforscht
Auch Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum warnt vor den gesundheitlichen Folgen. Zwar enthalten E-Zigaretten weniger Schadstoffe als Tabakprodukte – doch harmlos seien sie keineswegs. „Wir wissen, dass Vapes reizende Stoffe enthalten, die Atemwegserkrankungen, Asthma oder Allergien auslösen können. Es sind sogar in kleinen Mengen krebserzeugende Substanzen enthalten“, so Mons.
Hinzu kommen metallische Rückstände, etwa Blei, Kupfer oder Zink, die bei der Erhitzung der Liquids entstehen oder sich aus den Bauteilen der Geräte lösen können. Eine Studie wies kürzlich auf teils besorgniserregende Konzentrationen dieser Stoffe im Dampf von Einweg-Vapes hin.
Umweltproblem und Politik in Bewegung
Neben den gesundheitlichen Risiken werden auch die Umweltfolgen zunehmend kritisch gesehen. Einweg-Vapes bestehen aus Batterien, Elektronik und Kunststoff – alles wird nach dem Gebrauch achtlos weggeworfen. „Das ist eine unglaubliche Ressourcenverschwendung“, sagt Mons.
Daher fordern immer mehr Expertinnen und Experten ein Verbot der Wegwerf-E-Zigaretten. Einige Länder handeln bereits: In Großbritannien, Frankreich und Belgien ist der Verkauf von Einweg-Vapes bereits untersagt. Auch die EU plant ein Verbot ab Ende 2026, und in Deutschland hat der Bundesrat sich ebenfalls für ein Verkaufsverbot ausgesprochen – eine Umsetzung auf Bundesebene könnte noch 2025 erfolgen.
Mons fordert darüber hinaus deutliche Preiserhöhungen für alle E-Zigaretten-Produkte, um Jugendliche besser zu schützen – denn aktuell sind viele Modelle schon für unter zehn Euro erhältlich und dadurch besonders attraktiv für junge Menschen.
Fazit:
Was als stylische Alternative zur Zigarette begann, entwickelt sich zunehmend zum gesundheits- und umweltpolitischen Problem. Die neue Studie wirft ein Schlaglicht auf die unterschätzten Risiken von Einweg-E-Zigaretten – und setzt Politik und Gesellschaft unter Zugzwang.