Die Lufthansa hat ihre Überlegungen zu einem Einstieg bei der spanischen Fluggesellschaft Air Europa vorerst auf Eis gelegt. Nach intensiven Verhandlungen und internen Prüfungen habe sich der Konzern entschieden, die Gespräche zum aktuellen Zeitpunkt nicht weiterzuführen. Das gab die Lufthansa in einer offiziellen Mitteilung bekannt.
Bereits in der vergangenen Woche hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr bestätigt, dass Gespräche mit dem spanischen Unternehmen laufen. Dabei ging es nach Medienberichten um den Erwerb eines Minderheitsanteils von 25 Prozent an Air Europa – eine Beteiligung, die als möglicher erster Schritt für eine spätere vollständige Übernahme gewertet wurde. Der Einstieg hätte Lufthansa einen besseren Zugang zum südamerikanischen Markt und zum wichtigen Drehkreuz Madrid verschaffen können.
Die Entscheidung gegen eine Beteiligung begründete die Lufthansa nicht im Detail. Branchenkreise vermuten allerdings, dass wirtschaftliche Rahmenbedingungen, komplexe wettbewerbsrechtliche Fragen und regulatorische Hürden in Spanien und auf EU-Ebene eine Rolle gespielt haben könnten. Zudem steht Air Europa seit längerem unter Beobachtung der spanischen Wettbewerbshüter, insbesondere im Zusammenhang mit einem früheren Übernahmeversuch durch die International Airlines Group (IAG), zu der auch Iberia gehört.
Auch der europäische Konkurrent Air France-KLM, der zwischenzeitlich ebenfalls Interesse an einer Beteiligung signalisiert hatte, hat sich mittlerweile aus den Verhandlungen mit Air Europa zurückgezogen. Damit steht das spanische Unternehmen erneut ohne einen strategischen Partner aus den großen europäischen Airline-Gruppen da.
Air Europa gilt seit Jahren als Sanierungsfall mit strategisch attraktivem Streckennetz – insbesondere im Langstreckenverkehr nach Lateinamerika. In der Vergangenheit hatte die Corona-Pandemie das Unternehmen schwer getroffen, staatliche Hilfen und ein Restrukturierungsprozess konnten die wirtschaftliche Schieflage nur teilweise abfedern.
Mit dem vorläufigen Rückzug der Lufthansa scheint eine mögliche Konsolidierung des europäischen Luftverkehrsmarktes über Air Europa vorerst gescheitert. Ob und wann die Gespräche wieder aufgenommen werden, bleibt offen. Der Markt dürfte die Entscheidung der Lufthansa mit gemischten Gefühlen betrachten – einerseits als vorsichtige Risikominimierung, andererseits als verpasste Chance auf einen strategisch wertvollen Zugang zum lateinamerikanischen Markt.