In der traditionsreichen Radeberger Brauerei bei Dresden stehen seit gestern Abend die Produktionsbänder still. Beschäftigte legten im Rahmen eines Warnstreiks die Arbeit nieder, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mitteilte. Der Ausstand soll bis zum morgigen Freitagmorgen andauern.
Forderung nach sieben Prozent mehr Lohn
Hintergrund des Arbeitskampfes ist die anhaltende Lohnungleichheit zwischen Ost- und Westdeutschland in der Brauwirtschaft. Laut NGG besteht in der Branche nach wie vor ein Einkommensunterschied von über 8.000 Euro pro Jahr – zum Nachteil der Beschäftigten in den ostdeutschen Bundesländern. Die Gewerkschaft fordert daher eine Lohnerhöhung von sieben Prozent, um diesen Abstand schrittweise zu verringern.
„Wer genauso hart arbeitet, hat auch Anspruch auf den gleichen Lohn – egal ob in Bayern oder Sachsen“, so ein Sprecher der NGG. Die Arbeitgeberseite sei bislang jedoch nicht bereit gewesen, ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen.
Teil einer größeren Streikwelle
Der Warnstreik in Radeberg ist Teil einer bundesweiten Tarifbewegung in der Brauindustrie. In den vergangenen Tagen und Wochen kam es bereits zu Arbeitsniederlegungen in weiteren ostdeutschen Brauereien, darunter in Krostitz, Leipzig, Freiberg und Wernesgrün. Die NGG spricht von einer wachsenden Beteiligung und breiter Unterstützung unter den Beschäftigten.
Auswirkungen auf die Produktion
Nach Angaben aus Gewerkschaftskreisen hat der Streik unmittelbare Auswirkungen auf die Abfüllung und Logistik der Brauerei. Sollte es zu keiner Einigung kommen, sei mit weiteren Streiks auch in anderen Standorten zu rechnen. Die Radeberger Gruppe gehört zu den größten Brauereikonzernen Deutschlands und vertreibt unter anderem die Marken Radeberger, Ur-Krostitzer, Wernesgrüner und Freiberger.
Nächste Verhandlungsrunde ungewiss
Ob und wann die Tarifverhandlungen wieder aufgenommen werden, ist derzeit offen. Die NGG fordert die Arbeitgeberseite eindringlich auf, „nicht länger auf Zeit zu spielen“, sondern an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Ein längerer Arbeitskampf könne auch für das Unternehmen wirtschaftlich spürbar werden, warnte die Gewerkschaft.