Die Zahl der Unfälle mit E-Scootern nimmt weiter zu – und laut einer aktuellen Untersuchung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sind dabei vor allem Nutzer von Leih-Scootern überdurchschnittlich oft beteiligt. Der Verband sieht einen klaren Zusammenhang zwischen der Nutzungsform und dem Unfallrisiko.
„Wer einen eigenen Scooter besitzt, fährt in der Regel häufiger, routinierter und sicherer“, erklärt Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung beim GDV. Private Scooterfahrer seien meist über 30 Jahre alt, nutzten das Fahrzeug regelmäßig im Alltag – etwa für den Arbeitsweg – und trügen deutlich häufiger einen Helm. Diese Kombination aus Erfahrung, Verantwortungsbewusstsein und Schutzausrüstung führe zu einem deutlich geringeren Unfallrisiko.
Ganz anders sieht es laut GDV bei Leih-Scooter-Nutzern aus: Sie seien tendenziell jünger, oft spontane Gelegenheitsfahrer und meist ohne Helm unterwegs. Die Fahrzeuge würden häufig im Freizeitkontext genutzt – etwa für den Heimweg vom Club oder als schnelle Lösung für kurze Wege in der Stadt. „Diese Nutzergruppe ist weniger geübt im Umgang mit dem Fahrzeug, kennt häufig nicht alle Verkehrsregeln und unterschätzt oft die Gefahren im Straßenverkehr“, so Zeidler.
Die Unfallforscherin warnt: Gerade in urbanen Gebieten mit viel Verkehr, unübersichtlichen Kreuzungen und engem Raum für verschiedene Verkehrsteilnehmer könne das riskante Fahrverhalten von Leih-Scooter-Nutzern schnell zu gefährlichen Situationen führen – für sie selbst und für andere.
Der GDV fordert daher dringend Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit. Neben gezielter Aufklärung über Risiken und Regeln des Straßenverkehrs könnten auch technische Lösungen helfen: So könnten Leih-Scooter-Apps beim Ausleihen auf die Helmpflicht hinweisen, das Fahrverhalten per GPS überwachen oder bei riskanten Manövern warnen.
Auch der Gesetzgeber sei gefragt: Der Verband spricht sich für strengere Alterskontrollen, eine Helmpflicht zumindest für junge oder unerfahrene Fahrer sowie klar abgegrenzte Fahrzonen für E-Scooter aus. Zusätzlich müssten Kommunen stärker darauf achten, dass E-Scooter nicht unkontrolliert auf Gehwegen oder in Fußgängerzonen landen – das erhöhe das Unfallrisiko zusätzlich.
Die aktuellen Zahlen reihen sich in einen längerfristigen Trend ein: Bereits in den vergangenen Jahren hatte sich gezeigt, dass die wachsende Zahl von E-Scootern auf deutschen Straßen nicht nur mehr Mobilität, sondern auch neue Herausforderungen für die Verkehrssicherheit mit sich bringt.
Der GDV mahnt daher zu einer realistischen Einschätzung der Risiken – und zu mehr Eigenverantwortung bei den Nutzern. „Wer mit dem E-Scooter unterwegs ist, fährt ein echtes Fahrzeug im Straßenverkehr – kein Spielzeug“, betont Zeidler.