In der Brauerei Krostitz bei Leipzig herrscht seit dem frühen Donnerstagmorgen Stillstand. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat zum Streik aufgerufen – und zahlreiche Beschäftigte folgen dem Aufruf. Im Zentrum des Arbeitskampfes steht eine deutliche Lohnforderung: sieben Prozent mehr Gehalt für die Mitarbeiter. Der Streik ist Teil einer breiter angelegten Tarifauseinandersetzung in der ostdeutschen Brauwirtschaft.
Deutliche Lohnlücke zwischen Ost und West
Die NGG verweist auf eine massive Gehaltslücke zwischen Brauereibeschäftigten in den alten und neuen Bundesländern. „Ein Bierbrauer in Sachsen verdient im Schnitt über 8.000 Euro weniger im Jahr als sein Kollege im Westen“, so ein Sprecher der Gewerkschaft. Diese Ungleichheit ist aus Sicht der NGG nicht mehr hinnehmbar, zumal sie trotz jahrzehntelanger Angleichungsversprechen bestehen geblieben ist.
Streikwelle rollt durch die Region
Die Proteste in Krostitz folgen auf einen bereits am Mittwoch begonnenen Streik bei der Sternburg-Brauerei in Leipzig, an dem sich rund 150 Mitarbeiter beteiligten. Auch dort ging es um die Forderung nach gerechter Bezahlung. Die Stimmung in beiden Betrieben ist kämpferisch, viele Beschäftigte berichten von wachsender Unzufriedenheit und dem Gefühl, trotz harter Arbeit strukturell benachteiligt zu werden.
Arbeitgeber bislang ohne Entgegenkommen
Von Arbeitgeberseite gibt es bislang keine konkreten Vorschläge zur Schließung der Lohnlücke. Die Brauereileitung in Krostitz zeigte sich zwar gesprächsbereit, verwies aber auf wirtschaftliche Belastungen und den Wettbewerbsdruck in der Branche. Die Gewerkschaft hält dem entgegen, dass viele Brauereien auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Gewinne erzielen und Spielraum für eine moderate Lohnanpassung bestehe.
NGG: „Wer Bier braut, soll fair bezahlt werden“
Die NGG kündigte an, den Arbeitskampf notfalls auszudehnen, sollten die Arbeitgeber nicht einlenken. „Wer Bier braut, soll auch fair bezahlt werden – und zwar unabhängig davon, ob er in Leipzig, Bremen oder München arbeitet“, so die klare Botschaft aus Gewerkschaftskreisen.
Wie geht es weiter?
Ein Verhandlungstermin steht aktuell nicht fest. Die Gewerkschaft fordert ein Signal der Kompromissbereitschaft. Sollte dies ausbleiben, könnten weitere Betriebe der Branche in Sachsen in den kommenden Tagen folgen. Für viele Brauereimitarbeiter ist der aktuelle Streik nicht nur ein Kampf um Geld – sondern auch ein Zeichen des Protests gegen jahrzehntelange strukturelle Benachteiligung im Osten der Republik.