Ein Naturspektakel im Südwesten der USA sorgt für Aufsehen – und bei manchen für Gänsehaut.
Herbstzeit ist Paarungszeit – auch für Taranteln. In den trockenen und halbwüstenartigen Regionen der USA, vor allem in Kalifornien, Colorado, Kansas, New Mexico und Texas, beginnt in diesen Monaten ein beeindruckendes, wenn auch für viele eher furchteinflößendes Schauspiel: Tausende junger männlicher Taranteln verlassen ihre unterirdischen Bauten und machen sich auf die Suche nach einem Weibchen.
Wer in diesen Wochen wandert oder zeltet, etwa in Nationalparks oder Wüstengebieten, sollte sich nicht wundern, wenn ihm auf einmal eine „Spinnenstraße“ begegnet. Die Tiere sind besonders abends und nachts aktiv und können in Scharen Straßen oder Pfade überqueren.
Missverstanden und nützlich: Die wahre Rolle der Taranteln
Auch wenn ihr Anblick vielen einen Schauer über den Rücken jagt – die Tiere sind friedlich und ökologisch wertvoll. „Taranteln sind extrem scheue Tiere“, erklärt Dan McCamish, Umweltwissenschaftler bei den kalifornischen State Parks. „Sie haben kein Interesse daran, Menschen anzugreifen. Wenn man sie in Ruhe lässt, tun sie dasselbe.“
Taranteln helfen, Insektenpopulationen zu kontrollieren, und ihre verlassenen Höhlen dienen später anderen Tieren – von Eidechsen bis hin zu Kleinsäugern – als Unterschlupf.
Wo und wann Taranteln unterwegs sind
Taranteln bevorzugen trockene, warme Gebiete und sind in mehreren US-Bundesstaaten heimisch, darunter Arizona, Utah, Nevada und sogar Teile von Oregon und Washington. Auch in Südflorida, Oklahoma und Missouri gibt es einzelne Arten. Insgesamt sind in den USA 29 verschiedene Tarantelarten beschrieben – darunter die bekannte „Texas Brown“ oder die „Desert Blonde“.
Aktiv werden die Tiere meist im Spätsommer und Herbst, vor allem nach dem ersten Regen, wenn Feuchtigkeit und kühle Temperaturen die Paarungssaison einläuten. Zu dieser Zeit verlassen die Männchen ihre Bauten und beginnen, nach weiblichen Duftstoffen zu suchen.
Das kurze Leben der Männchen
Während weibliche Taranteln in der Regel bis zu 25 Jahre alt werden können, haben Männchen ein deutlich kürzeres und tragischeres Leben. Nach mehreren Jahren in ihren Bauten begeben sie sich auf Wanderschaft – ein riskantes Unterfangen. Finden sie ein Weibchen und gelingt die Paarung, sterben sie oft kurz darauf – manchmal sogar als Mahlzeit für ihre Partnerin.
Scheitert die Partnersuche, sterben viele Männchen an Erschöpfung oder weil sie sich nicht mehr häuten können – was nach der Geschlechtsreife meist tödlich ist.
Warum man Taranteln nicht töten sollte
So gruselig sie wirken mögen: Taranteln sind wichtige Indikatoren für ein gesundes Ökosystem. Ihre Anwesenheit bedeutet meist, dass ein Gebiet ökologisch im Gleichgewicht ist. Zudem tragen sie zur Belüftung des Bodens bei, was in Wüstenregionen besonders wichtig ist.
„Wenn man eine Tarantel sieht, sollte man sie unbedingt in Ruhe lassen“, rät McCamish. Wer eine in seinem Zelt entdeckt, könne sie mit einem leichten Stupser mit einem Stock sanft vertreiben.
Sind Taranteln gefährlich für Menschen?
Die gute Nachricht: Keine der in den USA heimischen Tarantelarten ist für Menschen lebensgefährlich. Zwar können sie bei falscher Handhabung beißen oder sogenannte urtikierende Haare (feine Stacheln am Hinterleib) abstreifen, die Haut- oder Augenreizungen verursachen – doch in der Regel ziehen sie sich lieber zurück, als anzugreifen.
Faszinierend, nicht furchterregend
Obwohl Taranteln auch springen können (bis zu 60 Zentimeter weit!) und sogar Büsche oder Bäume erklimmen, bleiben sie scheue Einzelgänger, deren Paarungswanderung ein eindrucksvolles Naturphänomen ist – irgendwo zwischen Grusel und Staunen.
Wer im Herbst 2025 den Südwesten der USA bereist, sollte sich also nicht erschrecken, sondern mit etwas Glück Teil eines stillen Dramas der Natur werden, das nur wenige Wochen im Jahr sichtbar ist – und bei dem es vor allem um eines geht: die Suche nach Liebe auf acht Beinen.