Für Dieselfahrer lohnt sich der Griff zur Zapfpistole finanziell immer weniger: Der Preisvorteil gegenüber Benzin ist in den vergangenen Jahren fast vollständig geschmolzen. Nach aktuellen Angaben des ADAC lag der Preisunterschied zwischen Diesel und Super E10 zuletzt im Schnitt nur noch bei etwa fünf Cent pro Liter – ein historisch niedriger Wert. In der Vergangenheit lag die Differenz häufig bei 15 Cent oder mehr.
Dieselpreis kaum noch ein Vorteil – trotz steuerlicher Begünstigung
Dabei ist Diesel in Deutschland steuerlich weiterhin begünstigt. Pro Liter Diesel fallen rund 20 Cent weniger Energiesteuer an als bei Benzin. Dass dieser Steuervorteil kaum noch beim Verbraucher ankommt, erklärt der ADAC-Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer mit mehreren Faktoren. Vor allem sei der Dieselmarkt international deutlich anfälliger für Krisen, betont Laberer.
Hoher Dieselverbrauch – starke Importabhängigkeit
Deutschland hat im Jahr 2024 rund 32 Millionen Tonnen Diesel verbraucht, fast doppelt so viel wie Benzin, von dem lediglich knapp 18 Millionen Tonnen nachgefragt wurden. Dieser hohe Bedarf kann längst nicht mehr vollständig aus heimischer Raffinerieproduktion gedeckt werden. Deshalb ist Deutschland massiv auf Importe angewiesen – und genau hier liegt das Problem.
„Der Diesel ist sehr viel krisenanfälliger, weil wir sehr viel mehr davon importieren“, erklärt Laberer. Die Folge: Versorgungsengpässe, geopolitische Spannungen und Transportkosten schlagen sich bei Dieselpreisen deutlich stärker nieder als bei Benzin. Seit dem Krieg in der Ukraine sind viele Dieselimporte aus Russland entfallen, was die Versorgungslage zusätzlich verschärft hat.
Strukturwandel bei Fahrzeugen verstärkt den Effekt
Auch der Rückgang bei der Zahl neu zugelassener Dieselfahrzeuge wirkt sich aus. Immer mehr Autofahrerinnen und Autofahrer steigen auf Hybrid- oder reine Elektroantriebe um – besonders im privaten Bereich. Damit sinkt zwar langfristig die Nachfrage, gleichzeitig bleibt der Diesel für den Güterverkehr und viele Nutzfahrzeuge unverzichtbar. Diese strukturelle Schieflage führt dazu, dass die Preisgestaltung weniger marktbreit ist und empfindlicher auf Schwankungen reagiert.
Fazit: Diesel-Preisvorteil verliert an Bedeutung
Die Zeiten, in denen Diesel klar günstiger war als Benzin, sind vorerst vorbei. Trotz steuerlicher Vorteile sorgt die Importabhängigkeit, gepaart mit geopolitischer Unsicherheit und hoher Nachfrage im Logistiksektor, dafür, dass Dieselpreise heute kaum noch Spielraum für Einsparungen bieten. Für viele Verbraucher dürfte dies auch Auswirkungen auf künftige Kaufentscheidungen haben – insbesondere bei der Wahl zwischen Benzin-, Diesel- oder Elektroantrieb.