Im katholischen Studienseminar St. Michael im oberbayerischen Traunstein soll es über Jahrzehnte hinweg zu teils schweren Misshandlungen von Minderjährigen gekommen sein. Eine aktuelle Studie des Frankfurter Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik beleuchtet nun die Geschehnisse in den 1960er, 70er und 80er Jahren und legt ein dunkles Kapitel der Internatsgeschichte offen.
Laut dem Institut geht es um körperliche, psychische und spirituelle Gewalt gegen minderjährige Schüler – sogenannte Seminaristen –, aber auch um sexualisierte Übergriffe. Die Betroffenen seien unter anderem psychisch unter Druck gesetzt sowie körperlich gezüchtigt worden. Der heutige Leiter des Studienseminars, Wolfgang Dinglreiter, bestätigte gegenüber Medien, dass die Schüler „massivem erzieherischem Fehlverhalten“ ausgesetzt gewesen seien.
Die Studie ist Teil einer umfassenden Aufarbeitung kirchlicher Gewaltkontexte, wie sie bundesweit in zahlreichen Institutionen erfolgt. Ziel ist es, das Leid der Betroffenen sichtbar zu machen und Verantwortungsstrukturen zu benennen. Für viele ehemalige Internatsschüler bedeutet die Untersuchung einen wichtigen Schritt zur Anerkennung und Aufarbeitung des erlittenen Unrechts.
Die katholische Kirche steht seit Jahren unter Druck, Fälle von Gewalt und Missbrauch systematisch aufzuarbeiten. Auch im Fall von St. Michael in Traunstein stellt sich nun die Frage, wer was wann wusste – und warum so lange geschwiegen wurde. Die Veröffentlichung der vollständigen Studienergebnisse ist für die kommenden Monate angekündigt.