Angesichts eines Defizits von rund 6,2 Milliarden Euro im vergangenen Jahr fordern Vertreter der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) eine kritische Überprüfung des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Besonders im Fokus: die sogenannten Eltern-Kind-Kuren. Diese Überlegungen stoßen jedoch auf entschiedene Ablehnung – sowohl bei Krankenkassen als auch bei Mütterverbänden.
KBV stellt Kur-Angebote infrage
KBV-Chef Andreas Gassen hatte in einem Interview betont, alle Leistungen der GKV müssten auf ihre Notwendigkeit geprüft werden. Leistungen, die seiner Ansicht nach nicht unmittelbar der medizinischen Versorgung dienten – darunter auch Mutter- beziehungsweise Eltern-Kind-Kuren – könnten aus dem Leistungskatalog gestrichen werden. Für viele Betroffene wäre das ein herber Einschnitt.
Kuren als präventive Maßnahme
Eltern-Kind-Kuren ermöglichen es Müttern oder Vätern, gemeinsam mit ihren Kindern für mehrere Wochen eine stationäre Kurmaßnahme zu absolvieren. Diese Kuren dienen der Regeneration bei Erschöpfungssymptomen, zur Vorbeugung chronischer Erkrankungen oder zur Entlastung in psychisch belastenden Lebenssituationen. Anspruch auf eine solche Kur besteht in der Regel alle vier Jahre.
Kassen wehren sich gegen pauschale Streichvorschläge
Beim Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen zeigt man sich besorgt über die andauernde finanzielle Schieflage. Vorstand Oliver Blatt erklärte im Deutschlandfunk: „Die laufenden Ausgaben steigen derzeit um knapp acht Prozent, während die Einnahmen nur um rund 5,6 Prozent wachsen. Das führt zu einer gefährlichen Schere.“ Dennoch sei es aus Sicht des Verbandes nicht zielführend, pauschal Leistungen zu kürzen: „Wir glauben nicht, dass wir die Diskussion um notwendige Reformen mit Leistungskürzungen beginnen sollten.“
Mütterverbände empört: „Sparpolitik auf dem Rücken der Schwächsten“
Scharfe Kritik kommt auch von gesellschaftlichen Akteuren. Raymonde Will vom Mütterzentrum e.V. in Leipzig reagierte fassungslos: „Sowas überhaupt in den Raum zu stellen, finde ich schon eine unglaubliche Entgleisung. Ich kann nicht begreifen, warum der Blick für Sparmaßnahmen so häufig ausgerechnet auf die Schwächsten gerichtet ist.“
Eltern-Kind-Kuren seien nicht nur eine therapeutische Maßnahme, sondern böten vielen Familien eine dringend benötigte Atempause vom belastenden Alltag. „Diese Auszeiten ermöglichen es, Kraft zu tanken, sich betreut zu fühlen und als Familie wieder stabiler in den Alltag zurückzukehren“, so Will weiter.
Ein Tropfen auf dem heißen Stein?
Wie viel tatsächlich durch eine Streichung dieser Kuren eingespart werden könnte, ist unklar. Die Kosten für Eltern-Kind-Kuren werden statistisch nicht gesondert ausgewiesen. Fest steht jedoch: In Zeiten zunehmender psychischer Belastungen in Familien und wachsender Anforderungen im Alltag wäre ein Wegfall dieser Leistung für viele ein herber Rückschlag.