Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sorgt mit einem unkonventionellen Vorschlag für neue Impulse in der Debatte um soziale Gerechtigkeit im Alter: Um die wachsende Altersarmut in Deutschland gezielt zu bekämpfen, schlägt das Institut die Einführung eines sogenannten „Boomer-Soli“ vor – einer Abgabe, die von wohlhabenden Rentnerinnen und Rentnern entrichtet werden soll.
Die Idee: Menschen mit hohen Alterseinkünften – etwa aus gesetzlichen Renten, Pensionen oder privaten Vorsorgemodellen – sollen einen finanziellen Beitrag leisten, um ältere Menschen mit niedrigem Einkommen besser zu unterstützen. Die Umverteilung soll dabei ausschließlich innerhalb der Generation 65plus stattfinden. Jüngere Generationen würden dadurch nicht zusätzlich belastet.
Laut DIW könnten die Einnahmen aus dem „Boomer-Soli“ gezielt eingesetzt werden, um etwa Grundsicherungsempfänger im Alter zu entlasten oder zusätzliche Sozialprogramme für Bedürftige auf den Weg zu bringen. Angesichts einer zunehmend alternden Gesellschaft und steigender Lebenshaltungskosten wächst das Risiko, dass immer mehr Seniorinnen und Senioren in die Armut abrutschen – trotz jahrzehntelanger Erwerbsarbeit.
„Es geht um eine faire Verteilung innerhalb einer Generation, die sehr unterschiedlich ins Alter startet – die einen gut abgesichert, die anderen mit Existenzsorgen“, so das DIW in seiner Begründung.
Der Begriff „Boomer-Soli“ bezieht sich auf die geburtenstarken Jahrgänge, die derzeit in großer Zahl in den Ruhestand eintreten – viele von ihnen mit vergleichsweise solider finanzieller Grundlage. Der Solidaritätsbeitrag sei dabei nicht als Strafe zu verstehen, sondern als sozialer Ausgleich unter Gleichaltrigen.
Ob und wie sich dieser Vorstoß politisch umsetzen lässt, bleibt offen. Erste Reaktionen aus der Politik dürften gespalten ausfallen – zwischen Zustimmung zur Idee der innergenerationalen Solidarität und Vorbehalten gegenüber neuen Abgaben im Rentenalter. Klar ist jedoch: Die Frage, wie Altersarmut wirksam bekämpft werden kann, wird Deutschland noch lange beschäftigen.