Im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern rückt heute Vormittag ein brisantes Kapitel der jüngeren Geschichte in den Fokus: Der frühere Innenminister Lorenz Caffier (CDU) wird im NSU-Untersuchungsausschuss als Zeuge befragt.
Caffier stand 14 Jahre lang an der Spitze des Innenministeriums – genau in jener Zeitspanne, in der die rechtsextreme Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) mordend durch Deutschland zog und erst 2011 enttarnt wurde. Auch Mecklenburg-Vorpommern war Tatort: Ein rassistisch motivierter Mord und mehrere brutale Banküberfälle gehen auf das Konto der Neonazi-Zelle.
Besonders pikant: Caffier trat 2020 zurück, nachdem öffentlich wurde, dass er privat eine Waffe von einem ehemaligen Mitglied der rechtsextremen Vereinigung „Nordkreuz“ erhalten hatte. Der Vorfall warf massive Fragen zu seinen Verbindungen und zur Rolle der Sicherheitsbehörden auf.
Im Untersuchungsausschuss soll Caffier nun darlegen, wie sein Ministerium damals den NSU-Komplex bewertete, welche Versäumnisse es möglicherweise gab – und ob Verbindungen zu rechtsextremen Netzwerken unterschätzt oder gar übersehen wurden.
Die heutige Aussage könnte für neue Einblicke in eines der dunkelsten Kapitel rechter Gewalt in Deutschland sorgen – und darüber entscheiden, welche politischen und strukturellen Konsequenzen noch gezogen werden müssen.