In einer Stadt, die für Jazz, Jambalaya und spontane Paraden bekannt ist, gesellt sich nun auch eine Hollywood-reife Gefängnisausbruchskomödie zur kulturellen Vielfalt: Zehn Insassen des Orleans Justice Center, dem Hochsicherheitsgefängnis mit dem wohl ironischsten Namen des Jahres, beschlossen Mitte Mai, dass es Zeit für einen kleinen Spaziergang war.
Während 1.400 Häftlinge schliefen – und offenbar auch das gesamte Sicherheitspersonal –, nutzten die zehn Herren einen Toilettentrick, der jedem Baumarkt-DIY-Kanal Ehre gemacht hätte. Erst den Spülkasten abmontieren, dann ein Loch kloppen, kurz durch den Flur, vorbei an der vermutlich schlafenden Kameraüberwachung, und über den Zaun – fertig ist die Flucht!
Als Souvenir hinterließen sie den Satz „To Easy LoL“ über dem Loch in der Wand – eine künstlerische Performance irgendwo zwischen Graffiti und Anklage gegen die öffentliche Verwaltung.
Die Sheriff-Abteilung bemerkte den kleinen Ausflug erst Stunden später – was angesichts von 900 installierten Kameras einen beachtlichen neuen Rekord in kollektiver Blindheit darstellt. Die Stadt reagierte mit der ihr eigenen Mischung aus Panik, T-Shirt-Verkauf („To Easy LoL – Limited Edition“) und politischen Schuldzuweisungen, bei denen jeder jedem alles vorwarf – außer sich selbst natürlich.
In der Zwischenzeit entwickelte sich die Jagd nach den Flüchtigen zur Reality-Show mit täglichen Episoden: „Gefasst beim Fastfood“, „Versteckt in Omas Gartenlaube“, „Erwischt in Texas, stilecht im SUV“.
Auch Nebenfiguren bekamen ihren Auftritt: Ein Wartungstechniker, der zufällig das Wasser abgestellt hatte („Ich dachte, die Toilette war verstopft!“), wurde als unfreiwilliger Fluchthelfer des Jahres gefeiert. Einige Mitarbeiter wurden suspendiert, vermutlich weil sie sich nicht rechtzeitig zum Pausensnack zurückgemeldet hatten.
Während die Politik diskutiert, ob 65 Millionen Dollar jährlich vielleicht doch nicht reichen für Türen, die sich schließen lassen, fragt sich der Rest der Bevölkerung, ob es nicht einfacher wäre, den Gefängnisbetrieb in ein AirBnB umzuwandeln. Einchecken, wann man will. Auschecken – offenbar auch.
Die Flucht hat übrigens fast das gesamte Sicherheitssystem des Staates aus dem Schlaf gerissen. Die Lösungsvorschläge? Neue Schlösser, mehr Personal, bessere Kameras – und vielleicht auch ein Wecker für das Wachpersonal.
Neun der zehn Ausreißer wurden inzwischen wieder eingefangen. Der letzte genießt vermutlich gerade ein „To-Go“-Gumbo in der Stadt, während ganz New Orleans sich fragt: War das nun ein Systemversagen oder eine besonders kreative Bewerbung für die nächste Staffel von „Escape Room – Live Edition“?