In einem einstimmigen Votum hat das mexikanische Abgeordnetenhaus am Mittwoch ein bahnbrechendes Gesetz zum Schutz von Meeressäugetieren beschlossen. Das neue Gesetz verbietet Delfinshows sowie sämtliche Unterhaltungsshows mit anderen Meeressäugetieren. Es sieht die schrittweise Schließung aller bestehenden Delfinarien vor – ein Schritt, der als bedeutender Meilenstein im internationalen Tierschutz gilt.
Artenschutz statt Showprogramm
Zukünftig dürfen Delfine, Wale und andere Meeressäuger in Mexiko nur noch aus Gründen des Artenschutzes in Gefangenschaft gehalten werden. Das bedeutet konkret: Fang und Zucht in Gefangenschaft sind ausschließlich zu wissenschaftlichen oder artenschützerischen Zwecken erlaubt. Kommerzielle oder touristische Nutzung, wie sie bislang in vielen Freizeitparks und Ferienanlagen üblich war, wird vollständig untersagt.
Gesetz mit Signalwirkung
Das Verbot wurde bereits zuvor vom Senat gebilligt und wird nun der Präsidentin zur abschließenden Unterzeichnung vorgelegt. Sollte das Gesetz wie erwartet in Kraft treten, könnte Mexiko als Vorreiter für ähnliche Initiativen in Lateinamerika und weltweit dienen. Es ist ein deutliches Zeichen dafür, dass das Land seine Verantwortung gegenüber wildlebenden Tierarten und ihren natürlichen Bedürfnissen ernst nimmt.
Kritik an Haltung und Training
Tierschutzorganisationen weisen seit Jahren auf die psychischen und physischen Belastungen hin, denen Delfine und andere Meeressäuger in Gefangenschaft ausgesetzt sind. Die Haltung in künstlichen Becken mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit, Lärm durch Zuschauer und Lautsprecheranlagen sowie das erzwungene Erlernen von Tricks gelten als tierschutzwidrig. Die Lebenserwartung in Gefangenschaft ist in der Regel deutlich geringer als in freier Wildbahn.
Tierschützer begrüßen Entscheidung
Die Organisation Humane World for Animals in Mexiko nannte den Gesetzesbeschluss einen „entscheidenden Schritt zur Beendigung der Ausbeutung von Walen, Delfinen und anderen Meeressäugern für Unterhaltungszwecke“. Nach eigenen Angaben leben aktuell rund 350 Delfine in Gefangenschaft in Mexiko – viele davon in Anlagen, die regelmäßig von Touristen besucht werden. Die Schließung dieser Einrichtungen soll nun nach einem gestaffelten Plan erfolgen, der die Umsiedlung oder Unterbringung der Tiere unter verbesserten Bedingungen ermöglichen soll.
Was passiert mit den Tieren?
Die Umsetzung des Gesetzes wirft praktische Fragen auf: Wohin sollen die Tiere gebracht werden? Wie wird sichergestellt, dass sie artgerecht gehalten werden? Laut Gesetz sollen die Tiere – soweit möglich – in sogenannte Meeresrefugien oder Schutzgebiete überführt werden. Dabei handelt es sich um abgetrennte, naturnahe Meeresbuchten, in denen die Tiere unter möglichst natürlichen Bedingungen leben können, ohne dem Druck von Shows und Tourismus ausgesetzt zu sein.
Internationale Aufmerksamkeit
Mexikos Entscheidung dürfte international auf breite Zustimmung stoßen – insbesondere unter Umwelt- und Tierschutzverbänden. Gleichzeitig wird sie als deutliches Zeichen gegen eine milliardenschwere Unterhaltungsindustrie gesehen, die jahrzehntelang auf Kosten der Tiere florierte. Während einige Länder wie Kanada und Frankreich bereits vergleichbare Verbote auf den Weg gebracht haben, hinken andere – darunter viele Urlaubsländer – noch hinterher.
Fazit
Mit dem neuen Gesetz stellt sich Mexiko konsequent auf die Seite des Tierwohls und setzt ein starkes Zeichen für eine Ethik im Umgang mit intelligenten und sozialen Meeressäugern. Es markiert das Ende einer Ära, in der Tiere aus den Ozeanen zu Unterhaltungszwecken missbraucht wurden – und könnte ein Vorbild für andere Nationen sein, diesem Beispiel zu folgen.