Im Skandal um die German Property Group (GPG) hat das Landgericht Hildesheim den ehemaligen Geschäftsführer Charles Smethurst zu sechs Jahren und elf Monaten Haft verurteilt. Der 65-Jährige wurde wegen schweren Betrugs in mehreren Fällen schuldig gesprochen. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass Smethurst Anleger systematisch über die finanzielle Lage seines Unternehmens getäuscht hatte, um weiterhin Darlehen zu erhalten und sich persönlich zu bereichern.
Ursprünglich ging es um 27 Anklagepunkte und einen Schaden von 56 Millionen Euro. Nach einer Verständigung zwischen Staatsanwaltschaft, Verteidigung und dem Angeklagten konzentrierte sich das Verfahren schließlich auf fünf Fälle. Smethurst legte ein umfassendes Geständnis ab, wodurch sich der Schaden auf 26 Millionen Euro reduzierte. In vier dieser Fälle erfolgte eine Verurteilung.
Laut Staatsanwaltschaft hatte Smethurst Anleger aus aller Welt dazu gebracht, in angebliche Sanierungsprojekte denkmalgeschützter Immobilien zu investieren. Während er hohe Renditen von bis zu 15 Prozent versprach, geriet das Unternehmen zunehmend in finanzielle Schieflage. Rechnungen blieben unbezahlt, Immobilien verfielen, und die Insolvenz war absehbar – dennoch sammelte Smethurst weiter Geld ein.
Vor Gericht räumte der Angeklagte Fehler ein, betonte jedoch, er habe nicht aus Habgier gehandelt, sondern versucht, das Unternehmen und sein Lebenswerk zu retten. Das Gericht zeigte sich skeptisch und sah das genaue Motiv letztlich als nicht eindeutig geklärt an.
Die Dimension des Skandals reicht jedoch weit über den verhandelten Fall hinaus. Nach Angaben des Insolvenzverwalters sind bei der GPG Zahlungseingänge von insgesamt 1,3 Milliarden Euro dokumentiert. Rund 800 Millionen Euro davon gelten derzeit als „nicht identifizierbar oder verdächtig“. Bis zu 25.000 Gläubiger weltweit könnten von dem Betrug betroffen sein.
Die Ermittlungen zum Verbleib der verschwundenen Gelder laufen weiter.