Die prominente US-Aktivistin und Überlebende sexueller Gewalt Brenda Tracy hat am 3. Juni eine Bundesklage gegen die Michigan State University (MSU) sowie zwei Mitglieder des Vorstands eingereicht. Sie wirft der Universität und den Beteiligten vor, ihre Beschwerde wegen sexueller Belästigung durch den ehemaligen Football-Cheftrainer Mel Tucker schwerwiegend misshandelt zu haben.
Die 51-seitige Klageschrift richtet sich direkt gegen die Board-Mitglieder Rema Vassar und Dennis Denno, denen Tracy vorwirft, ihre Identität während der laufenden Untersuchung an Medien und Dritte durchgestochen zu haben – entgegen ihrer vertraglichen und gesetzlichen Rechte auf Vertraulichkeit.
Kern der Vorwürfe: Schweigen, Vertuschung, Verantwortungslosigkeit
Tracy macht die Universität auch dafür verantwortlich, dass sie nach dem öffentlichen Bekanntwerden der Vorwürfe massivem Hass, Bedrohungen und Belästigungen ausgesetzt war – ohne dass MSU sie ausreichend geschützt hätte. Zudem wirft sie dem Vorstand vor, wusste oder hätte wissen müssen, dass Tucker bereits zuvor durch unangemessenes Verhalten aufgefallen sei und eine Gefahr für sie sowie andere darstellen könnte.
In der Klage fordert Tracy nicht bezifferte Schadensersatz- und Strafzahlungen wegen u. a.:
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grober Fahrlässigkeit,
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Pflichtverletzung im Amt,
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Vertragsbruch,
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und Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte.
Sie spricht von schweren psychischen und emotionalen Folgen, dem Verlust ihrer Lebensqualität, Verdienstausfällen sowie hohen medizinischen und therapeutischen Kosten.
Der Fall Mel Tucker: Absturz eines Startrainers
Im Zentrum des Falls steht ein Telefonat im April 2022, bei dem Tracy aussagt, Tucker habe sich ohne ihre Zustimmung selbst befriedigt. Die beiden hatten zu diesem Zeitpunkt ein rein berufliches Verhältnis – Tracy war engagiert worden, um mit dem Football-Team über Prävention sexueller Gewalt zu sprechen.
Tucker wiederum behauptet, es habe sich um einvernehmliche erotische Kommunikation gehandelt – er beschreibt ihre Beziehung als „flirtend“ und behauptet, Tracy habe ihm gesagt, sie suche einen „Sugar Daddy“. Diese Darstellung weist Tracy strikt zurück.
Juristische Auseinandersetzungen auf mehreren Ebenen
Nach dem öffentlichen Bekanntwerden der Vorwürfe im September 2023 hatte die MSU Tucker wegen „wichtiger Gründe“ entlassen – und damit einen 10-Jahres-Vertrag über rund 80 Millionen Dollar vorzeitig gekündigt. Tucker verklagte daraufhin die Universität auf rechtswidrige Kündigung und Verleumdung.
Brenda Tracy selbst reichte bereits im Oktober 2024 eine separate Klage gegen Tucker ein – ebenfalls wegen Verleumdung. Der nun vorliegende Bundesprozess richtet sich jedoch direkt gegen die Universität und ihren Vorstand.
Im Oktober 2023 hatte die Titel-IX-Untersuchung der Universität Tucker für schuldig befunden, Tracy mehrfach sexuell belästigt und ausgenutzt zu haben – sowohl im Vorfeld als auch im Nachgang des strittigen Telefonats. Der Versuch Tuckers, diese Entscheidung anzufechten, wurde im Januar 2024 abgelehnt.
Ein Fall mit Signalwirkung
Brenda Tracy sagte gegenüber USA TODAY:
„Ich habe viel durchgemacht. Aber irgendwann möchte ich mit meinem Leben weitermachen. Diese Klage ist ein wichtiger Schritt dahin – ich will, dass diejenigen zur Rechenschaft gezogen werden, die mir Schaden zugefügt haben. Und das geht über Mel Tucker hinaus.“
Hintergrund:
Der Fall Tucker hat die Diskussion über sexualisierte Gewalt im US-College-Sport erneut entfacht – insbesondere über den Umgang von Institutionen mit Beschwerdeführerinnen, Transparenz und Machtmissbrauch. Michigan State war bereits in der Vergangenheit im Zusammenhang mit dem Larry-Nassar-Skandal in der Kritik gestanden.