Mitten im juristischen Gegenwind verschärft US-Präsident Donald Trump seine handelspolitische Gangart: Die Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte werden ab dem 4. Juni auf 50 % verdoppelt. Während internationale Partner wie Kanada, China und die EU mit Gegenmaßnahmen oder diplomatischer Zurückhaltung reagieren, sieht sich die US-Regierung zunehmender Kritik aus dem Inland und aus den Gerichtssälen gegenüber.
Die jüngsten Schritte sind Teil einer aggressiveren Handelsstrategie, die nicht nur die ökonomische Abhängigkeit der USA verringern, sondern auch geopolitischen Druck aufbauen soll. Trumps Team setzt dabei auf altbekannte Mittel – mit teils neuen Risiken.
Handelsdruck auf Zeit: Ultimatum an Partnerländer
Ein Brief des US-Handelsbeauftragten an mehrere Partnerstaaten enthält eine klare Frist: Bis zum 4. Juni sollen konkrete Fortschritte in bilateralen Verhandlungen dokumentiert werden, um länderspezifische Sonderzölle zu vermeiden. Zwar wurde das Schreiben vom Weißen Haus inzwischen als „Erinnerungsschreiben“ heruntergespielt – doch die Botschaft ist eindeutig: Verhandeln oder zahlen.
Diese Strategie erinnert an Trumps „Deal“-Politik aus der ersten Amtszeit. Doch diesmal sind die Spielräume enger – politisch, juristisch und wirtschaftlich.
Internationale Reaktionen: Kritik, Vorsicht, Gegenwehr
Kanada – Hauptlieferant von Stahl und Aluminium – reagierte mit offener Kritik. Botschafterin Kirsten Hillman warnte vor einem „wirtschaftlichen Wall“ zwischen beiden Ländern. Die Preiskosten für amerikanische Verbraucher seien absehbar, von Autos bis zu Haushaltswaren.
Die EU hält sich offiziell bedeckt, droht jedoch mit der Ausweitung geplanter Gegenmaßnahmen ab Juli. China wiederum warf den USA Vertragsbruch vor – und droht mit Reaktion, sollte Washington seine Zollpolitik weiter verschärfen. Ein Telefonat zwischen Trump und Präsident Xi Jinping wird in Kürze erwartet.
Deutschland steht ebenfalls im Fokus: Am 5. Juni empfängt Trump den neuen Bundeskanzler Friedrich Merz – ein Gespräch mit symbolischer und praktischer Tragweite, nicht nur für das transatlantische Verhältnis, sondern auch für die Zukunft der EU-Handelspolitik.
Rechtliche Gegenwehr: Gerichte bremsen, aber stoppen nicht
Mehrere Gerichtsentscheidungen stellen Trumps einseitige Zollerhöhungen infrage. Jüngst stoppte ein Bezirksgericht Zölle auf zwei Spielwarenhersteller – die Entscheidung wurde jedoch vorläufig aufgehoben. Eine Klage aus Kalifornien wurde abgewiesen, darf aber nun vor einem anderen Gericht weiterverfolgt werden.
Die Administration zeigt sich unbeeindruckt: Man habe „weitere rechtliche Optionen“, sagte der Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats, Kevin Hassett, und verwies auf Notfallklauseln im US-Handelsrecht.
Zwischen Strategie und Show: Der politische Kontext
Die Zollerhöhungen passen in ein übergeordnetes Muster: Trump will Stärke demonstrieren – innenpolitisch gegenüber seinen Wählern, außenpolitisch gegenüber multilateralen Bündnissen. Im Wahljahr 2025 dient die Handelspolitik erneut als Bühne: für Patriotismus, Wirtschaftsnationalismus und die Erzählung von einem Amerika, das sich nicht ausnutzen lässt.
Doch während das Narrativ bei der eigenen Basis verfängt, wachsen die Zweifel an der wirtschaftlichen Nachhaltigkeit. Wirtschaftsexperten warnen vor Versorgungsengpässen, Preissteigerungen und wachsendem globalem Misstrauen.
Fazit: Zölle als Waffe – aber mit doppelter Schneide
Trump geht aufs Ganze – wirtschaftlich wie geopolitisch. Der Preis für diese Politik wird nicht nur an der Kasse sichtbar, sondern auch in den internationalen Beziehungen. Die nächsten Wochen könnten zeigen, ob Trumps Zollpolitik ein erfolgreiches Druckmittel ist – oder ob sie sich gegen ihn selbst richtet.