Die Justizvollzugsanstalten in Schleswig-Holstein stoßen zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen. Grund dafür ist eine steigende Zahl von Haftbefehlen und Verurteilungen – ein indirektes Resultat der gestiegenen Personalstärke bei Polizei und Justiz. Im Innen- und Rechtsausschuss des Landtags informierte Justizministerin Kerstin von der Decken (CDU) über die angespannte Lage und stellte Maßnahmen zur Entlastung vor.
Belegung steigt – Druck auf Vollzug wächst
„Sowohl im Männer- als auch im Frauenvollzug ist die Situation angespannt“, erklärte von der Decken. Die konstant hohe Belegung bringe die Justizvollzugsanstalten (JVAs) und ihre Beschäftigten an die Belastungsgrenze. Besonders in den vergangenen Monaten sei die Zahl der Inhaftierten spürbar gestiegen.
Um gegenzusteuern, plant das Justizministerium bauliche Erweiterungen und zusätzliche Haftplätze. Auch der Haushalt 2026 soll dafür Mittel vorsehen. Ebenso sollen weitere Stellen für den Strafvollzug geschaffen werden.
Nachwuchsgewinnung bleibt Problem
Doch mehr Stellen zu schaffen, ist nur ein Teil der Lösung – denn sie müssen auch besetzt werden. Genau daran äußert die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Schleswig-Holstein Zweifel. Ute Beeck von der GdP warnte: „Woher soll das Personal kommen? Der Nachwuchsmangel wird uns zukünftig bei der Arbeit im Weg stehen.“ Der Strafvollzug sei nicht nur personell anspruchsvoll, sondern auch psychisch belastend – gerade mit Blick auf die wichtige Aufgabe der Resozialisierung.
Gute Nachrichten bei aktuellen Stellen
Trotzdem konnte die Justizministerin dem Ausschuss auch Positives berichten: Alle aktuell offenen Stellen in den JVAs des Landes seien mittlerweile besetzt. Das war nicht immer so – noch vor wenigen Monaten waren beispielsweise in der JVA Lübeck 22 von 354 Stellen unbesetzt. Diese Lücke sei nun geschlossen worden.
Belastung bleibt hoch
Trotz der positiven Entwicklung bei der Stellenbesetzung zeigt der Blick in den Bericht zur personellen und räumlichen Situation, wie hoch die Belastung weiterhin ist:
-
Der Krankenstand lag 2024 bei 10,58 Prozent – das entspricht rund 24 Fehltagen pro Beschäftigtem.
-
Zum Stichtag 1. Januar 2025 hatten die rund 800 Mitarbeitenden durchschnittlich 36 Überstunden angesammelt.
-
2025 gehen 20 Bedienstete in den Ruhestand, bis 2030 steigt diese Zahl voraussichtlich auf 34 Altersabgänge.
Offensive zur Personalgewinnung
Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, setzt das Land auf eine breit angelegte Nachwuchskampagne. Neben Messeteilnahmen, Flyern und Imagefilmen spielt auch Social Media eine wichtige Rolle. Zweimal im Jahr starten neue Ausbildungsjahrgänge mit jeweils rund 20 Anwärterinnen und Anwärtern für den Justizvollzug.
Fazit
Schleswig-Holstein steht im Justizvollzug vor einer doppelten Herausforderung: Die Zahl der Inhaftierten wächst, gleichzeitig droht eine personelle Lücke – vor allem langfristig. Die Maßnahmen der Landesregierung zeigen erste Erfolge, doch ob sie ausreichen, um die strukturellen Probleme nachhaltig zu lösen, bleibt abzuwarten.